Die Toten Hosen – „Zurück zum Glück“


Künstler Die Toten Hosen

Die Toten Hosen sind auf „Zurück zum Glück“ wuchtig und fragwürdig.

Album Zurück zum Glück
Label JKP
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung

Mit dem Glück ist das so eine Sache. Im Torquato Tasso schrieb schon Goethe: „Das Glück erhebe billig der Beglückte. Er dicht‘ ihm hundert Augen für’s Verdienst und kluge Wahl und strenge Sorgfalt an, nenn‘ es Minerva, nenn‘ es wie er will. Er halte gnädiges Geschick für Lohn, zufälligen Putz für wohlverdienten Schmuck.“

Der, der das Glück hat, weiß also meistens gar nichts davon. Jedenfalls weiß er es nicht zu schätzen. Und der, der das Glück nicht hat, sucht danach.

Schlimmstenfalls in der Vergangenheit. „Natürlich hat der Albumtitel etwas mit der aktuellen Stimmung hierzulande zu tun. Jeder meint, dass früher alles besser war. Deshalb fanden wir, dass es ein gelungener Titel ist“, erklärt Bassist Andi, warum die Toten Hosen ihre neue Platte Zurück zum Glück genannt haben.

Den Kommentar zur Lage der Nation kennt man von den Düsseldorfern. 1000 gute Gründe hieß er einmal, auch Alles wird gut und Sascha – ein aufrechter Deutscher. Blättert man durchs Textheft, stößt man auch sonst auf die üblichen Hosen-Themen. Die Religion ist wieder dabei (das rabiate Beten), der Ausflug ins Englische (das schmissige How Do You Feel) der Gaudi-Song mit Funny van Dannen (der ebenso absurde wie eingängige Walkampf), die meist unglücklichen Liebeslieder (Ich bin die Sehnsucht in dir ist das bessere Alles aus Liebe). Suchen also auch die Toten Hosen ihr Glück in der Vergangenheit, in der eigenen Band-Geschichte?

Mitnichten. Denn wenn die Texte auch viel Altbekanntes und manchmal Fragwürdiges bringen, überrascht und überzeugt die Musik umso mehr. Solch eine Wucht, Frische und Wandlungsfähigkeit hätte man den alten Säcken gar nicht mehr zugetraut. Kopf oder Zahl fletscht gleich zum Auftakt die Zähne – dank eines Riffs, das fast an Rage Against The Machine denken lässt. In Herz Brennt brilliert Sänger Campino, der ohnehin viel weniger presst als früher und damit neue Varianten und mehr Emotion in der Stimme hat.

Mit der anrührenden Ballade Alles wird vorübergehen hatten sie schon bei Rock am Ring aufhorchen lassen. Die Behauptung fährt gar ein ganzes Streicherensemble auf und steigert sich zu einem Wutanfall, der manchen Jungspund verblassen lassen dürfte. Goldener Westen ist textlich und musikalisch das schlüssigste Stück der Platte und hat reichlich Schmackes.

Und dann sind da wieder ein paar Lieder mit einem zentralen Hosen-Thema. Ob in Steh auf, wenn Du am Boden bist, im Wort zum Sonntag oder gar im Refrain von Zehn kleine Jägermeister: Das Weitermachen, das Treubleiben, das Zusammenhalten haben sie schon immer gefeiert. Alle drei Elemente fließen diesmal im knüppelharten Wir sind der Weg zusammen. In Wunder wird das Motiv ebenso zupackend wie zuversichtlich umgesetzt. Freunde blickt gleichermaßen stolz zurück wie mutig nach vorne. Kein Zweifel: Diese Band ist noch hungrig.

„Die Schwierigkeit ist die eigene Messlatte. Man will einerseits die Energie von früher erhalten und weiter kultivieren und andererseits nochmal die Leute überraschen“, hat Sänger Campino die Herangehensweise an ein neues Album einmal beschrieben. Beides ist gelungen. Die Toten Hosen sind zurück. Zum Glück.

Ein Moment der Besinnung, auch live: Alles wird vorüber gehen:

Die Toten Hosen bei MySpace.

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