Donovan – „Sutras“


Künstler Donovan

Rick Rubin hat „Sutras“ produziert. Trotzdem wurde es keine Wiederauferstehung für Donovan.

Album Sutras
Label American Recordings
Erscheinungsjahr 1996
Bewertung

Rick Rubin ist der liebe Gott. Er hat die Beastie Boys erschaffen, Tom Petty gerettet, Johnny Cash unsterblich gemacht. Und nun sorgt er für Donovans Wiedergeburt. Der Troubadour war zunehmend in Vergessenheit geraten und hatte sich auf seinem schottischen Landsitz wohl auch längst damit abgefunden. Dann kam Sutras, das kommerziell zwar hinter den Erwartungen zurückblieb, künstlerisch aber eine Offenbarung war.

Von Rick Rubin produziert und auf dessen Label „American Recordings“ erschienen, sichert sich Donovan Leitch als 50-Jähriger hier mit vierzehn Songs die Reputation, die ihm gebührt. „Rubin wollte meine Anfänge, und so ging ich mit ihm – ganz zurück“, erinnert sich Donovan. Und was die beiden dort fanden, beweist, dass Donovan nicht nur ein spinnertes Relikt aus der Hippie-Ära ist, sondern zeitlose Songs geschrieben hat. Und noch schreibt.

Please Don´t Bend, etwa. Wie fast alles hier mit traumhaften Gitarrenpicking, wenig anderen Instrumenten und Donovans noch immer unnachahmlichen Tremolo. Give It All Up spielt in einer Liga mit dem Klassiker Catch The Wind und ist sicher eines der Stücke auf dieser Platte, die das Stadtmagazin Tip völlig zurecht „zum Losheulen schön“ fand. „No diamond brighter than the light within your eyes / no sadness deeper than this longing for you / I´d give it all up to be with you.“ Dazu Klaviertupfer und Mundharmonika, schlicht perfekt.

Überhaupt ist alles sehr feinfühlig arrangiert und klassisch instrumentiert. In Sleep gibt es erstmals Streicher, die sich durchaus mit Robert Kirbys Arbeit für Nick Drake messen können. Diese Parallele wird noch deutlicher in Everlasting Sea, einem Lied voller Gewicht und Tiefe. Schon hier spielt Donovan wieder mit seinen Flora-, Fauna- und Kosmos-Motiven, und in High Your Love ist er dann endgültig bei den Blumenkindern angekommen. Schellenringe, Bongos, ein Harmonium, und dann nach zweieinhalb Minuten einfach Schluss, als wäre gar nichts dabei. Wundervoll.

Genau wie The Way, das schwungvollste Stück der Platte. „Out of nothing comes the one / out of one comes the two / out of two comes the three / out of three comes all things.“ Das Ganze fast als Powerpop, mit Sitar, etwas Cello, spartanischem Schlagzeug und unwiderstehlichen Backing-Vocals von Dave Navarro. Drums gibt es sonst nur selten, etwa auf Nirvana, dessen Strophe und Bridge an Tom Petty erinnern, im Refrain und Interlude aber unverkennbar Donovan sind, also: spirituell und esoterisch.

Lady Of The Lamp ist leise und zerbrechlich, nur Gesang und Gitarre und eines der schönsten Liebeslieder überhaupt vom Schotten. The Evernow bietet das andere große Thema, also Gott, und endlich auch die längst überfälligen Flöten. Zum Schluss noch eine Hymne. Eine Melodie, die so selbstverständlich klingt, dass es ein Wunder ist, dass sie noch nie zuvor jemand gesungen hat. „One day when the scientist will see / the loving energy / the universe will shine / the universe am I.“

Das ist doch ganz natürlich: Donovan singt Nirvana für eine Folk-Doku:

Donovan bei MySpace.

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