Hingehört: Fink – „Perfect Darkness“


"Perfect Darkness" klingt nicht nur nach Trauerkloß, es ist auch einer.

„Perfect Darkness“ klingt nicht nur nach Trauerkloß, es ist auch einer.

Künstler Fink
Album Perfect Darkness
Label Ninja Tune
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Wie sieht wohl die perfekte Dunkelheit aus? So wie die Räume im Haus der Kultur in Helsinki, das Architekt Alvar Aalto ganz und gar ohne Fenster konzipiert hat? So wie das Herz von Guido Westerwelle? Oder doch eher „wie der Arsch eines schwarzen Stieres in einer mondlosen Prärienacht“, wie der Erzähler in The Big Lebowski es so anschaulich schildert?

In jedem Fall ist Perfect Darkness der perfekte Titel für das vierte Album von Fink. Denn der Singer-Songwriter aus Bristol liefert eine Platte ab, auf der es kein Quantum Trost gibt, in einer Reihe mit Gus Blacks Today Is Not The Day, Bob Dylans Time Out Of Mind oder Leonard Cohens Songs Of Love And Hate.

Im Mittelpunkt steht immer wieder die Stimme von Fink, der eigentlich Fin Greenall heißt und sich als DJ und Produzent einen Namen gemacht hat, wenn er sich nicht gerade mit seiner Gitarre der Trübsal hingibt. Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Drums) tragen auf Perfect Darkness zwar Entscheidendes bei, scheinen dabei aber stets das Ziel zu verfolgen, sich möglichst unsichtbar zu machen.

Schon im Titelsong zum Auftakt bleibt das Schlagzeug ganz schüchtern, die Gitarre könnte man fast expressionistisch nennen und der Text kennt „Hoffnung“ nicht einmal aus dem Wörterbuch: „A perfect darkness / is all I can see.“ Dann setzt Fink in Fear Is Like Fire noch einen drauf. „Fear is like fire / you can burn your house down with it“ singt er da mit seiner Stimme, die irgendwo zwischen Kristofer Aström und Rea Garvey rangiert – und man kann gewiss sein, dass er schon ein paar Mal vor derlei Flammen stand und durch die Asche getrottet ist.

Der dunkle Unterton durchzieht das gesamte Album, in Warm Shadow wünscht sich Fink gar das Ende aller Zeit, oder zumindest das Ende des Leids: „I don’t want another day to break.“ Die Musik dazu erinnert mit dem filigranen Picking und sparsamen Arrangement ebenso wie bei Wheels an Nick Drake (dieser Name muss natürlich fallen). Auch die Schwere von Who Says beschwört diese Assoziation herauf.

„Mit Fink singen wir über Beziehungen und Liebe und Gefühle – aber wir singen auch über andere Dinge: um sich greifende Angst, Berliner Sonnenaufgänge, über das Nach-Vorne-Schauen“, sagt Greenall. Das ist irreführend, aber nicht ganz gelogen. Denn gelegentlich finden sich zumindest Spurenelemente von so etwas wie Licht auf Perfect Darkness: Die Single Yesterday Was Hard On All Of Us strahlt inmitten des Zweifels eine verwunschene Leichtigkeit aus. Und auch das letzte Lied bekommt durch den zweistimmigen Gesang und die dezente E-Gitarre ein kleines bisschen Optimismus verpasst. Der Rausschmeißer ist das von Greenall benannte Berlin Sunrise – ganz zum Schluss lässt er also doch noch ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen.

Fink spielen Who Says live in Paris. Natürlich im Sitzen:

Fink bei MySpace.

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