Hingehört: Fran Healy – „Wreckorder“ 3


Fran Healy ist auch solo ein Meister der Melancholie.

Fran Healy ist auch solo ein Meister der Melancholie.

Künstler Fran Healy
Album Wreckorder
Label Rykodisc
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung ***1/2

Nun also doch. «Als Sänger in einer Band wird man ständig gefragt, ob man nicht auch Solopläne hat. Ich habe immer geantwortet: Warum sollte ich? Ich spiele in der besten Band der Welt», gibt Fran Healy zu. Trotzdem hat der 37-Jährige, mit Hits wie Sing oder Why Does It Always Rain On Me? bekannt geworden als Frontmann der schottischen Britpop-Größen Travis, jetzt eine Platte ganz alleine gemacht. Nach Brandon Flowers (The Killers), Julian Casablancas (The Strokes) oder Paul Smith (Maximo Park) also eine neue Episode der Indie-Frontmänner, die sich im Alleingang versuchen. Man kann das ein bisschen verstehen, auch im Fall von Fran Healy: Sein ganzes erwachsenes Leben hat er als Teil einer Band verbracht.

Doch selbst beim flüchtigen Hören von Wreckorder muss man ihm den Vorwurf machen, gleich ein zweites Mal mit seinen Prinzipien gebrochen zu haben. «Es macht keinen Sinn, ein Soloalbum aufzunehmen, das dann genau wie Travis klingt», hat Fran Healy ganz richtig erkannt. Trotzdem hat er es getan. Das ist fast ein bisschen schade, schließlich hätte man gerne eine neue Facette am Schotten entdeckt. Doch es ist andererseits auch beruhigend für alle, die um die Zukunft von Travis als Band bangen. Sie steht wohl nicht auf dem Spiel, und selbst wenn: Mit dem Solo-Fran-Healy wäre sofort ein adäquater Ersatz gefunden.

Kein Wunder: Fran Healy ist Gesicht, Stimme und Kopf von Travis – es liegt auf der Hand, dass er sich für seinen musikalischen Alleingang nicht komplett verwandelt hat. Seine Kompositionen waren schon immer verwurzelt in den Zeiten, als Songschreiber seiner Güte gerne noch «Tunesmith» genannt wurden, also handwerkliches Können mit einem feinen Gespür für das Besondere verbanden – niemand hätte erwarten können, dass Fran Healy auf dem morgen erscheinenden Wreckorder plötzlich HipHop oder Techno macht.

Es gibt im Vergleich zum Travis-Oeuvre zwar kleine Abweichungen (weniger E-Gitarren als auf dem letzten Album Ode To J. Smith, eine deutlich höhere Spontaneität in der Arbeitsweise, noch persönlichere Texte), aber im Prinzip ist dies vom wunderhübschen Auftakt mit Anything weg genau die Musik, die Fran Healy immer gemacht hat, und somit annähernd das Beste, was man als Freund von Melodie und Melancholie bekommen kann. Die Frage, ob er diese Platte nicht auch mit Travis hätte aufnehmen können, tritt deshalb schnell in den Hintergrund angesichts von Wohlklang, Wonne und auch ein bisschen Weicheierei, wie sie Travis schon immer vorgeworfen wurde.

Die Single Buttercups zählt zu den Höhepunkten. Healys Stimme balanciert ständig am Rande des Zusammenbruchs, der Text ist gepfeffert mit schlauen Zweizeilern. Das mit robustem Country-Beat und Keyboard aus der Rumpelkammer vergleichsweise opulente Fly On The Ointment hat wieder den patentierten Schunkelrhythmus wie einst Why Does It Always Rain On Me? Auf ein Coldplay-Piano setzt In The Morning, beinahe Jazz wird Shadow Boxing mit einer komplexen Pianofigur und ungewöhnlichem Takt.

Sing Me To Sleep, ein Duett mit Neko Case, wagt sich gar an einen Computerbeat, und klingt im Ergebnis ein wenig wie Eskobars Zusammenarbeit mit Heather Nova. Doch wo deren Someone New noch flirrte vor Leidenschaft, muss es sich hier um eine ganz schüchterne Beziehung handeln, in der man sich allenfalls aus der Ferne anhimmelt. As It Comes erinnert an die untröstlichsten Stücke von Blur, der Gesang ist fast gesprochen, die Stimmung voller Weltschmerz. Sogar tanzbar gerät Moonshine mit einem coolen Rhythmusfundament aus Besenschlagzeug und Streicher-Stakkato. Wenn sich Fran Healy dann am Ende zu seiner Kopfstimme aufschwingt, dann möchte man fast „Soul“ dazu sagen.

Der letzte Song, Holiday, war die Keimzelle für das Soloalbum. Als Fran Healy das Stück bei einer Akustik-Tour mit Travis-Gitarrist Andy Dunlop spielte, überkam ihn eine neue kreative Kraft, die er so unmittelbar wie möglich auf Platte bannen wollte. Holiday ist das heiterste Lied auf Wreckorder, perfekt für die Hängematte und doch niemals so unbeschwert wie etwa Jack Johnson. Trotzdem ist es durchaus typisch für Fran Healy als Solist: «Ich fühle mich gerade ziemlich wohl in meiner Haut. Das ist für mich ein ganz neues Kapitel. Und bin ich enorm gespannt, was als nächstes kommt.»

Ein Klassiker: Fran Healy singt Why Does It Always Rain On Me in der Show von Ali G:

Fran Healy bei MySpace.


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