Hingehört: French Films – „White Orchid“


"White Orchid" steckt voller Teenagerlust und Lebensfreude.

„White Orchid“ steckt voller Teenagerlust und Lebensfreude.

Künstler French Films
Album White Orchid
Label Odyssey Music Network
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung  

Finnland und Surfen? Das scheint auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun zu haben. Nimmt man – bei einem zweiten Blick – aber die Landabschnitte, die an die Ostsee grenzen, und dann auch noch alle Seen und Inseln dazu, dann gibt es in Finnland mehr Küstenkilometer als Einwohner, nämlich etwa sechs Millionen. Man kann erfahren, dass Yyteri als das beste Surfgebiet Skandinaviens gilt. Und dann versteht man auch die Musik von French Films.

Das Quintett benennt als seine wichtigsten Einflüsse zwar „dreaming, cold & dark winter, being alive, music“. Aber White Orchid, das gerade erschienene zweite Album von French Films ist ganz eindeutig eine Sommerplatte. Ein Album für laue Nächte, sonnige Nachmittage – und gerne auch für Surfausflüge.

Das sehr schöne All Summer Long, das sie gerade kostenlos als MP3 verschenken, ist zwar gar nicht drauf. Doch auch die letztich für das Album ausgewählten zehn Lieder sind Beweis genug für diese These. Schon die Texte deuten das an mit Zeilen wie diesen: „I never wanted to come down / when I was riding over the sun” (White Orchid), “I’ll take it all with me / across the seven seas” (Where We Come From), “The sun is high” (Special Shades), “Lay down all the summer’s fears” (Into Thousand Years). Im letzten Track, dem famosen 99, reimt sich dann, begleitet von einer Surfgitarre, auch noch “my little holiday” auf “better ways”.

Wem das noch nicht genug Beweise für die Surftauglichkeit der Finnen sind, der wird in der Musik fündig. Der Opener White Orchid lässt sich eine Minute Zeit, bevor das Schlagzeug dem Song so etwas wie eine Struktur gibt und dann noch einmal 30 Sekunden, bevor das Lied wirklich zum Punkt kommt. Aber dafür wird man mit einem himmelhochjauchzenden Refrain belohnt und einem Ende, an dem es völlig schlüssig klingt, mit ein paar „nananas“ das Gitarrensolo mitzusingen.

White Latter Days klingt wie The Cure im Adrenalinrausch und hat einen klasse Refrain. Juveniles ist unwiderstehlich optimistisch, das forsche Where We Came From lässt an Ash oder The Drums denken. Vieles auf diesem Album hat so viel Hitpotenzial, dass man sich kaum mehr wundern muss, dass French Films kürzlich den European Border Breaker Award gewonnen haben – einen Preis, den zuvor Adele, Mumford & Sons oder Lykke Li bekommen hatten.

Besonders reizvoll wird diese Eingängigkeit dadurch, dass French Films ganz offensichtlich nicht nur den Sonnenschein kennen. Die Stimme von Sänger Johannes Leppänen lässt immer wieder erahnen, dass er in seinem Leben auch schon genug Regentage erlebt hat. Dazu kommt der sehr charmante Lo-Fi-Sound dieses selbst produzierten Albums, der an britische Vorbilder erinnert. „Wir wollten der Platte ein leicht psychedelisches Feeling verleihen, ohne von der drei-Akkord-Mentalität abzuweichen“, erklärt Johannes Leppänen.

Special Shades bekam deshalb dezente Baggy-Anspielungen verpasst, All The Time You Got ist eines von vielen Liedern mit einem sehr krachigen Bass, die Quasi-Ballade Into Thousand Years hätte auch sehr gut ins Repertoire von Suede gepasst. Auch in diesen Momenten steckt White Orchid immer voller Teenagerlust und Lebensfreude. Man darf sicher sein: In der Welt dieser fünf Finnen sehen alle französischen Filme aus wie La Boum.

Ein Trailer für White Orchid:

French Films bei MySpace.

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