Hingehört: Gov’t Mule – „High And Mighty“ 1


„High And Mighty“. Und viel zu lang.

Künstler Gov’t Mule
Album High And Mighty
Label Blue Rose
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung **

Unter pubertierenden Jungen gibt es ein angeblich sehr beliebtes Spiel, bei dem sich die Knaben im Kreis um einen Keks aufstellen und dann um die Wette auf den Keks wichsen. So ähnlich funktioniert eine Jam-Session. Die Musiker sind die Wichser. Und der Zuhörer ist der Keks.

Gov’t Mule aus New York entstanden 1994, natürlich, bei einer Jam-Session rund um Mastermind Warren Haynes von den Allman Brothers. Die meisten Songs auf High And Mighty sind live im Studio aufgenommen und basieren unüberhörbar ebenfalls auf Jams. Deshalb sind hier natürlich alle Stücke etwa zwei Minuten zu lang, um all die „Schaut her, was ich kann“-Solos unterzubringen. Und Refrains verabscheuen Gov’t Mule so sehr wie ein Redneck die Homo-Ehe.

Trotzdem wird die Platte ihre Freunde, vielleicht sogar Bewunderer finden. Denn eine Kombination aus gnadenlosem Beat und mächtigem Riff wie im Opener Mr. High And Mighty entfaltet noch in jedem Kontext ihre Kraft. Danach erinnert Brand New Angel an Audioslave, allerdings ohne deren Kompaktheit und rhythmische Raffinesse.

Mehr als die bekannte Saitenkunst von Warren Haynes beeindruckt aber die Wandelbarkeit seiner Stimme. In den ruhigeren Stücken (das etwas träge So Weak So Strong, das angenehm zurückgenommene Child Of The Earth, das Trübsal-getränkte Nothing Again, das inspirierte Endless Parade) erinnert sie an Ed Kowalczyk von Live, auch den Hardrock-Shouter und das Blues-Reibeisen hat er locker drauf.

Für alle, deren musikalisches Universum sich zwischen AC/DC, Lynyrd Skynyrd und Led Zeppelin ausbreitet, muss er ein Held sein – und diese Platte ein Fest. Allen anderen bleibt es selbst überlassen, ob sie gern Zeuge bei Muckertum und Schwanzvergleich sein wollen.

Die größte Lavalampe der Welt: Mr. High And Mighty, live in Chicago:

Gov’t Mule bei MySpace.


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