Hingehört: Jacqui Naylor – „The Color Five“


Man ahnt es nicht. Aber Jacqui Naylor entpuppt sich auf „The Color Five“ als Zerstörerin.

Künstler Jacqui Naylor
Album The Color Five
Label California Sunset Records
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Vom Plattencover schaut Jacqui Naylor wie das nette Nachbarsmädel. Als könnte sie keiner Fliege etwas zu Leide tun. Doch sie ist eine Zerstörerin. Sie zelebriert „the art of smashing jazz“, wie ihre Plattenfirma ganz richtig behauptet. Das bedeutet: Sie singt Jazzstandard-Texte zu den Melodien von Rockklassikern – und umgekehrt. Und das ist höchst spannend.

Das totgenudelte Summertime bekommt so durch eine Prise Allman Brothers tatsächlich noch eine neue Facette. Und U2s I Still Haven’t Found What I’m Looking For hat hier plötzlich eine Ungeduld, wie sie Bono wahrscheinlich nur noch erkennen lässt, wenn er mal wieder eine halbe Stunde auf Umar Hasan Ahmad al-Baschir (das ist das Staatsoberhaupt von Sudan, unpolitisches Pack!) warten muss. Auch die Eigenkompositionen überzeugen: Easy Ride From Here ist extrem elegant, History Of Love bekommt eine Latin-Leichtigkeit.

Am stärksten ist die Dame aus San Francisco jedoch, wenn sie mit den Geschlechterrollen spielt. Was sie aus Rod Stewarts Hot Legs (angereichert um Herbie Hancocks Cantaloupe Island) macht, ist eine Offenbarung und dürfte jedem gaffenden Macho mehr zu denken geben als so manche Ohrfeige oder das berühmte Glas Wasser ins Gesicht. Und ein paar Gene aus Lee Morgans Sidewinter-DNA machen aus Lola von den Kinks einen irren Trip. REMs Losing My Religion bekommt eine derart bedrückende Schwere, dass es kaum zu erkennen ist. Eine Entdeckung.

Eine Slideshow zum runderneuerten Losing My Religion:

Jacqui Naylor bei MySpace.

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