Hingehört: Jaill – „Traps“


Weezer, aber ohne Glitzer - so ähnlich klingen Jaill.

Weezer, aber ohne Glitzer – so ähnlich klingen Jaill.

Künstler Jaill
Album Traps
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

Elf Lieder gibt es auf Traps, dem aktuellen Album von Jaill aus Milwaukee. Neun davon haben ein Gitarrensolo. Das ist eine durchaus ungewöhnlich hohe Quote, selbst in Punkpop-/Poppunk-Kreisen. Aber es verrät eine Menge über die Qualität, von der diese Platte lebt: Traps hat immer wieder die Melodie- und Gitarrenverliebtheit, die man auch an Weezer so schätzt, ohne aber genauso schamlos plakativ zu sein wie Rivers Cuomo & Co.

Im Text von I’m Home, das vergleichsweise heavy daher kommt, wird das Luftgitarrespielen besungen. Auch Ten Teardrops ist ein gutes Beispiel dafür, wie dieses Album (ihr zweites für Sub Pop; davor hatten Jaill schon einige LPs und EPs in Eigenregie herausgebracht) funktioniert: Der Song hat viel Punch, viele Ideen, ist ebenso schlau wie charmant und schafft es, selbst seine gewagteste Textzeile glaubwürdig klingen zu lassen: „Every word that I think goes straight from my mouth to your heart.“

Dass Sänger Vinnie Kircher, in dessen Haus das Album aufgenommen wurde, auch sonst ein feines Händchen für den Umgang mit Worten hat, beweisen gleich mehrere Texte auf Traps – und einige der Songtitel. Everyone’s A Bitch, das komplizierte Taktwechsel mit hübschem Harmoniegesang vereint, und Horrible Things (Make Pretty Songs), das akustisch bleibt und auf einen von Hand nachgebauten Computerbeat setzt, den man nur ironisch nennen kann, belegen das.

Waste A Lot Of Things klingt so klassisch bis altmodisch wie die frühen Kings Of Leon, wenn die eine ausgeprägte Vorliebe für die Hollies gehabt hätten. Die DNA von Perfect Ten scheint aus den Wörtern „Creedence“, „Clearwater“ und „Revival“ zu bestehen. House With Haunting ist eines von mehreren Stücken, die wie ein vergessener Beach-Boys-Klassiker klingen, vielleicht aus einer heimlichen Jamsession mit Tom Petty. Million Times beginnt akustisch und wächst sich dann zu einer kaputten Rockoper aus. Und ganz zum Schluss gibt es mit dem kraftvollen Stone Froze Mascot sogar etwas, das dem Begriff „Hit“ zumindest einigermaßen nahe kommt.

Das ist letztlich vielleicht die größte Stärke von Jaill: Vinnie Kircher, Austin Dutmer und Andrew Harris wissen sehr genau, wie gut sie sind, wie massenkompatibel ihre Musik mit ein bisschen Politur sein könnte (es gibt hier einfache Botschaften, die mit einfachen Mitteln besungen werden) und wie überfällig ein bisschen mehr Anerkennung nach zehn Jahren als Band wäre. Aber sie sind, bei aller musikalischer Ausgetüfteltheit, die es auf Traps gibt, Slacker im Herzen. Ds macht sie noch liebenswerter. Und cooler.

Jaill spielen I’m Home – passenderweise in Milwaukee:

Homepage von Jaill.

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