Hingehört: Jeff Beck – „You Had It Coming“


Jeff Beck zeigt sich virtuos – und beliebig.

Künstler Jeff Beck
Album You Had It Coming
Label Epic
Erscheinungsjahr 2001
Bewertung **

„Erst kommt Jeff Beck, und erst dann kommen alle anderen Gitarristen“, hat Paul Rodgers, ehemaliger Sänger von Bad Company, einmal gesagt. Vielleicht hatte er in diesem Moment kurz Hendrix, Clapton oder Page vergessen. Dennoch zählt Jeff Beck zweifelsohne zu den besten und stilprägendsten Rockgitarristen.

Zumindest ordnete man das Ex-Yardbirds und Beinahe-Rolling-Stones-Mitglied bisher in dieses Genre ein. Doch von Rock oder gar Blues sind auf Jeff Becks neuem Album You Had It Coming nur noch Spurenelemente vorhanden. Denn der Altmeister hat sich einen Jungbrunnen gesucht. Und ihn in Programmierer Aiden Love gefunden. Mit ihm setzt Jeff Beck den auf dem Vorgänger Who Else – 1999 immerhin für den Grammy nominiert – eingeschlagenen Weg fort: BigBeats statt Bendings.

Natürlich ist Jeff Beck noch immer ein technisch perfekter Gitarrist. Doch im Mittelpunkt stehen auf You Had It Coming nicht die verheißungsvollen Klänge aus dem Sechssaiter, sondern die programmierte Rhythmus-Sektion aus Bass und Schlagzeug. Der Opener Earthquake experimentiert geschickt mit Taktwechseln. Auch das druckvolle Roy´s Toy zählt zu den Höhepunkten der Platte. Am besten harmonieren das tanzbare Fundament und Becks Gitarre auf Nadia, dessen entspannte Klänge an Bim Shermans perfekte Sommersoundtracks heranreichen.

Doch in den anderen Stücken bleiben die Rhythmen zu monoton, die Bassläufe zu uninspiriert, die Kompositionen zu durchschaubar. Hätte man dies mit Gesang noch kaschieren können, drängt sich bei Becks instrumentalen Stücken das gefährliche Wort von der Beliebigkeit auf. Einzig Rollin´ And Tumblin´ hat einen Text. Jahrelang hat Jeff Beck eigenen Angaben zufolge nach der passenden Stimme zu diesem klassischen Blues-Riff gesucht. Mit dem jungen Londoner Imogen Heap hat er sie nun tatsächlich gefunden. Leider wird die spannende Symbiose aus erdiger Gitarre und rauem Gesang durch ein hektisch-nervöses Schlagzeug zerstört.

Dass man mit Breakbeats und Rockriffs aufregende Musik machen kann, haben etwa die Chemical Brothers oder The Prodigy in den vergangenen Jahren bewiesen. An diesen Bands orientiert sich Jeff Becks neuer Sound. Man kann darüber froh sein, dass sich der 56-Jährige noch musikalisch weiterentwickeln will. Man kann aber auch meinen, dass es ein Musiker dieser Klasse nicht nötig haben sollte, Trends hinterherzuhecheln.

Höchst nebulös: Das Video zu Nadia:

Jeff Beck bei MySpace.

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