Hingehört: Jet – „Get Born“ 2


Souveräner als „Get Born“ von Jet kann ein Debüt nicht klingen.

Künstler Jet
Album Get Born
Label Elektra
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ****

Oh mein Gott: die Rolling fucking Stones. Das ist der erste Gedanke. Diese Platte klingt so verdammt souverän, wie man es bei einem Debütalbum kaum für möglich gehalten hätte. Get Born wimmelt von klassischen Riffs und Balladen, die dringend ins Stadion wollen (live lassen Jet das Publikum gern ganze Passagen singen und covern zudem Elvis). Auch sonst ist alles da: Die Posen sitzen, die Outfits stimmen und selbst der Bandname klingt schon nach Rocklexikon. Der NME hatte ganz recht: „Jet are rock’n’roll stars – just try stopping them“.

Das dürfte nicht so leicht werden. Eigentlich können diese vier Australier nur an einem Punkt scheitern: Sie sind zu früh zu gut. Wenn der erste Longplayer bereits wie ein Greatest-Hits-Album klingt, kann eigentlich nicht mehr viel folgen als die ewige Wiederholung all der Rock-Klischees, die (noch so ein heikler Punkt) schon ausgelutscht genug sind.

In der Tat: Aktualität und Originalität erreichen Jet nur bei einem Song: Das geniale Are You Gonna Be My Girl vereint irgendetwas von der Urgewalt des Rock’n’Roll (meinetwegen die Kinks) mit irgendetwas von heute (meinetwegen den Hives) und irgendetwas eigenem (dem Riff und der Stimme von Nic Cester).

Dieses Niveau erreichen die anderen Kracher nicht mehr, bleiben aber dabei noch immer Kracher. Das gilt für Get Me Outta Here, Last Chance und Get What You Need. Noch ein Stück besser sind das auf Subtilität pfeifende Cold Hard Bitch und Lazy Gun mit verzögertem Beat, reichlich Who-Anleihen und einem traumhaften Break.

Und dann sind da ja noch diese Balladen. Look What You’ve Done ist, gestehen wir es ruhig, fast so gut wie Stop Crying Your Heart Out. Das Country-angehauchte Move On lässt kurz an Wild Horses denken. Come Around Again schmachtet gar niedlich und bleibt dabei ganz entspannt, statt pathetisch zu werden. Timothy lässt sich schließlich völlig gehen und endet dabei in leichter Psychedelia.

Gerade ihre Fähigkeit, auch solche Schmachtfetzen zu schreiben, könnte für Jet der Schlüssel zur Welt-Karriere werden. Denn erstens werden die Mädels sie dafür lieben, zweitens hat sonst niemand aus der New-Rock-Bewegung dergleichen zu bieten. This will be played on your radio.

Hab‘ ich doch gesagt, dass sie gerne die Fans singen lassen: Das wunderhübsche Look What You’ve Done, live beim Heimspiel im Melbourne:

Jet bei MySpace.


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