Hingehört: Jimmy Gnecco – „The Heart“


Künstler Jimmy Gnecco

Jimmy Gnecco verarbeitet auf "The Heart" den Tod seiner Mutter.

Jimmy Gnecco verarbeitet auf „The Heart“ den Tod seiner Mutter.

Album The Heart
Label Bright Antenna
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung

Man muss nicht einmal registrieren, dass die Scheibe The Heart heißt, um zu erkennen, wie viel Herzblut in diesem Album steckt. Die CD, auf der sich die 15 Songs von The Heart befinden, steckt in etwas wie einem schwarzen Briefumschlag. Darin befinden sich auch, auf einzelnen losen Blättern, die Texte. Jimmy Gnecco hat praktisch alles an The Heart selbst gemacht: Er singt, es spielt fast alle Instrumente und er hat produziert.

Dass es eine durch und durch persönliche Angelegenheit geworden ist, liegt auch daran, dass der ehemalige Frontmann der Rockband Ours und Ex-Roadie von Jeff Buckley in diesen Songs den Tod seiner Mutter verarbeitet. Verlust, Erinnerung, Trauer, Hoffnung – diese Themen durchziehen die Texte, etwa in der an Keane erinnernden Piano-Ballade Days: „My mother killed her soul / just to feel some more / I’m finding out that we’re alike.“

Passend zum Thema ist die Stimmung meist grüblerisch bis betrüblich. Das Gute daran: Jimmy Gnecco ist ein durchaus meisterhafter Melancholiker. Wenn er im Falsett singt, lässt das sofort an Thom Yorke denken (Light On The Grave), im komplexen Titelsong beschwört er auch musikalisch die Radiohead der O.K. Computer-Ära herauf.

Nur selten wird es etwas beschwingter, doch auch dann hängt an diesen Songs noch ein unübersehbares Schild, auf dem „Euphorie muss draußen bleiben“ steht. Bestes Beispiel ist Mystery, auf dem erstmals ein Schlagzeug zu hören ist, das aber nur erdrückend langsam agieren darf. Wenn sich noch etwas mehr Druck und Optimismus einschleicht (Gravity), dann klingt das wie Ben Kweller, also durchaus erfreulich.

Der deutlichste Bezugspunkt für den Mann aus New Jersey sind aber die späten Travis. Nicht nur wegen der Grundstimmung, die etwa in Bring You Home oder These Are My Hands genau der stolzen Traurigkeit der Schotten entspricht. Sondern vor allem wegen der stimmlichen Nähe von Jimmy Gnecco zu Fran Healy. Wenn er sich auf I Heard You Singing, dem besten Lied auf The Heart, in die höchsten Tonregionen (und die tiefsten Tiefen seines Herzens) vorwagt, dann hat das all die Leidenschaft, all die Inbrunst und all die Verletzlichkeit, die auch die besten Songs von Travis so rührend gemacht haben.

Jimmy Gnecco beweist mit diesem Album großes Songwriter-Talent und tolle Fähigkeiten als Sänger. Das einzige, was an The Heart stört, ist die Tatsache, dass es auf Dauer dann doch ein ziemlich schwer zu verdauender Trauerkloß ist. Ein bisschen mehr Licht, ein paar mehr Stücke wie Gravity, hätten The Heart sehr gut getan. Denn schließlich sind Herzen nicht nur dazu da, gebrochen zu werden. Sondern vor allem, um Leben in uns hineinzupumpen.

Er sieht aus wie Heavy Metal, aber er klingt wie Thom Yorke: Jimmy Gnecco singt Light On The Grave:

Jimmy Gnecco bei MySpace.

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