Hingehört: Jono McCleery – „There Is“


Jono McCleery setzt auf "There Is" eher auf Atmosphäre als auf Songs.

Jono McCleery setzt auf „There Is“ eher auf Atmosphäre als auf Songs.

Künstler Jono McCleery
Album There Is
Label Counter Records
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Wonderful Life gilt heute als Plastikpop. Der Song, im Jahr 1987 ein großer Hit für Black, wird heute ab und zu noch im Radio gespielt, oder er findet sich auf Samplern mit Hits der 1980er, neben Liedern von Sandra, der Ersten Allgemeinen Verunsicherung und dem Fließband-Pop aus dem Hause Stock/Aitken/Waterman. Unter anderem haben Kim Wilde, Zucchero und Ace Of Base diesen Song gecovert. Mehr Plastik geht nicht.

Jono McCleery hat nun ebenfalls Wonderful Life aufgenommen. Es ist der dritte Song auf There Is, seinem zweiten Album. Und der Londoner zeigt dabei, was wirklich in dem Song steckt: Weltschmerz, Melancholie, Hoffnung, Dunkelheit. Sein Wonderful Life ist noch ein ganzes Stück verlorener als die Originalversion von Black, famos gesungen und kongenial instrumentiert.

Vor allem aber ist diese Coverversion, ausgerechnet, ein guter Fixpunkt für den Sound von Jono McCleery. Er paart auf There Is, dem Nachfolger seines 2008er Debüts Darkest Light, seine exzellente Stimme (irgendwo zwischen einem ganz entspannten Chris Martin und Andrew Roachford) mit träumerischer Trübsal und dezenter Elektronik. Wer sich schon immer gewünscht hat, Massive Attack würden ihre Folk-Seite entdecken oder Nick Drake liebend gern mit der Studiotechnik des 21. Jahrhunderts ausstatten wollte, der ist hier richtig.

Als Song ragt Wonderful Life dabei heraus, denn ansonsten geht es John McCleery eher um Atmosphäre als um Intro-Strophe-Refrain. Das geht deutlich auf Kosten der Spannung und Wiedererkennbarkeit, wird aber aufgewogen durch ein hohes Maß an Stringenz und Geschlossenheit.

Fears klingt zum Auftakt wie Kele von Bloc Party, wenn der bei seinen Solo-Ausflügen plötzlich auch Lagerfeuerballaden machen würde. Garden bekommt von seinem nervösen Beat etwas Drive verpasst und dürfte allen Fans von Werle & Stankowski gefallen. It’s All beginnt ganz düster mit Bass und Piano und mündet dann in ein Breakbeat-Finale. Gemeinsam mit Fink, die Jono McCleery auch schon auf Tour begleitet hat, ist der reduzierte Soul von Stand Proud entstanden.

Gelegentlich ist There Is nahe am Jazz, und besonders gern arbeitet Jono McCleery mit dem, was nicht da ist: Schweigen, Pausen, Raum. Daraus erwächst die besondere Verletzlichkeit seiner Musik, etwa in der Skizze Raise Me oder dem experimentellen The Gymnopedist. Radiohead müssen da natürlich auch als Bezugspunkt genannt werden. Vor allem aber wandelt Jono McCleery auf den Spuren von Tim Buckley. Der wäre begeistert von Tie Me In, das verträumt beginnt, dann Streicher aufbietet und am Ende sogar ein paar rückwärts laufende Sounds integriert, das alles zusammengehalten von virtuosem Gesang. Dann kann man fast nicht mehr anders, als an die Zeile aus Wonderful Life glauben: There’s magic everywhere.

Kein richtiges Video, aber eben der beste Song hier: Jono McCleerys Version von Wonderful Life:

Jono McCleery bei MySpace.

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