Hingehört: Judas Priest – „Demolition“


Auf "Demolition" betören Judas Priest die eigene Vergangenheit.

Künstler Judas Priest
Album Demolition
Label SPV
Erscheinungsjahr 2001
Bewertung *

„Heavy Metal ist ein Faustschlag ins biedermännische Heilewelt-Lächeln, die Nachtseite des sozial verdrängten Schreckens – kurzum, der böse Geist, der stets das Gute schafft“, versucht Frank Schäfer in seinem kürzlich erschienenen Buch Heavy Metal, das Genre zu definieren.

Ob der Musik tatsächlich ein bestimmendes Element des Protests innewohnt, darüber lässt sich streiten. Fakt aber ist: Heavy Metal war immer eine Musik für Außenseiter. Und ist vor allem eine Musik der 1980er Jahre. Für diese Zeit trifft Schäfers Zitat zu; als Antipoden zu all den Duran Durans und Whams taugten die Schwermetaller allemal.

Zu deren Speerspitzen zählten von Anfang an Judas Priest, mit allem, was nun einmal dazugehört: Lederjacken, lange Haare, Motorräder. Mit Painkiller setzten sie sich fast pünktlich zum Ende der Dekade selbst ein Denkmal, dann wurde es erst einmal sehr ruhig um die Briten – und um Heavy Metal insgesamt. Das liegt zum Teil sicher daran, dass Protest durch Härte in den anything-goes-Zeiten seine Berechtigung verloren hat. Aber auch daran, dass das Genre musikalisch schon so lange auf der Stelle tritt, dass es wunde Füße haben müsste.

Auch Judas Priest beschwören vor der Veröffentlichung von Demolition die neuen Elemente, die Überraschungen und die Experimente. Doch wenn der Heavy-Metal-Fan gegen irgend etwas allergisch ist, dann sind es neue Elemente, Überraschungen und Experimente. Judas Priest wissen das natürlich. So ist trotz aller Beteuerungen auch alles beim Alten geblieben.

Sänger Ripper Owens, schon beim 1997er Comeback-Album Jugulator dabei, füllt die Fußstapfen von Rob Halford achtbar aus, mit Lost And Found gibt es auch die obligatorische Ballade, der Rest ist typisch Priest. Neue Impulse sucht man vergebens, und so werden sich Judas Priest und Heavy Metal allgemein weiterhin nur an der eigenen Vergangenheit betören können.

Grandios: Harald Schmidt lernt Heavy Metal.

Judas Priest bei MySpace.

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