Hingehört: Katherine Jenkins – „Daydream“


Einen kruden Mix präsentiert Klassik-Queen Katherine Jenkins auf "Daydream".

Einen kruden Mix präsentiert Klassik-Queen Katherine Jenkins auf „Daydream“.

Künstler Katherine Jenkins
Album Daydream
Label Warner
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung  

Man muss im Leben nicht alles verstehen. Das Konzept „klassische Musik“ zum Beispiel. Viele der heute populärsten Stücke dieses Genres waren schon zur Zeit ihrer Entstehung Straßenfeger – also für die Zeitgenossen quasi Pop, nicht Klassik. So gut wie alles, was heutzutage in diesem Genre hinzukommt, wird zwar als klassische Musik rubriziert, ist von einem Status als „Klassiker“ aber weit entfernt.

Die Wertschätzung für Menschen, die ihr Instrument nicht bloß gerne spielen, sondern dieses Spielen auch studiert haben, das zu Spielende von einem Notenblatt ablesen und womöglich gar nach dem Tarifvertrag für die Musiker in Kulturorchestern bezahlt werden, ist dennoch ungebrochen. Vor einem Fußball-Länderspiel wird immer noch gerne ein ganzes Stadion voller Fans mit irgendeiner Opernstimme gequält. Und jede Menge Klassikradios erobern die Digitalkanäle.

Dort spielt man gerne auch Katherine Jenkins. Die Mezzosopranistin aus Wales ist zumindest in ihrer Heimat so etwas wie der Megastar der zeitgenössischen klassischen Musik: Sie hat 2004 den bislang höchstdotierten Plattenvertrag der Klassischen Musik Großbritanniens unterzeichnet, sie hat sieben ihrer Alben in die englischen Top10 bekommen und sie hat natürlich auch schon in einem Stadion vor Tausenden Sportfans gesungen (allerdings waren es in ihrem Fall keine Fußball-, sondern Rugby-Anhänger). Und die 32-Jährige hat es seit 2004 auf sagenhafte zwölf Alben gebracht.

Dieser imposante Output ist kein Wunder, wenn man sich Daydream anhört, ihre neuste Veröffentlichung. Das Album ist ein derart kruder Mix aus Musik, die offensichtlich möglichst virtuos, pathetisch und langweilig klingen soll, dass man sich bloß wundern kann. Catherine Jenkins mischt pompösen Pop im Stile von Shania Twain (Can’t Slow Down) mit Chopin-Adaptionen (L’alba verrà), neu arrangierten Traditionals (Carrickfergus), Musicalelementen (A Flower Tells A Story), Schlagerschmonz in septischen Duetten mit Semino Rossi (Because We Believe, The Music Of My Heart) und setzt Abigail’s Song noch obendrauf, ihren Beitrag aus der TV-Serie Doctor Who.

Der Opener Black Is The Colour klingt, als würde man sieben Monate lang dem Untergang der Titanic zuschauen, die folgende Pianoballade Your Silhouette ist US-Fließbandpop im Stile von Celine Dion, später gibt es ein kaum wieder zu erkennendes Ave Maria mit reichlich Harfe, dazwischen immer wieder ernste Klassik und dann mit Break It To My Heart auch noch eine Ballade, die zu Avril Lavigne passen würde, wenn man sie eine Oktave tiefer legte. Im Booklet von Daydream dankt Katherine Jenkins „all the men and women of our armed forces“. Wie gesagt: Man muss nicht alles verstehen.

Lieber tanzen als singen – das sollte das Motto für Katherine Jenkins sein:

Homepage von Katherine Jenkins.

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