Hingehört: Liam Finn – „Fomo“


Auf "Fomo" klingt Liam Finn ein bisschen wie der Papa - wenn der um die Power des Beat gewusst hätte.

Auf „Fomo“ klingt Liam Finn ein bisschen wie der Papa – wenn der um die Power des Beat gewusst hätte.

Künstler Liam Finn
Album Fomo
Label Transgressive
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Fomo? Was soll das denn sein? Der Spitzname eines kolumbianischen Drogenbarons? Eine bisher unbekannte Figur aus dem Herr der Ringe? Ein Geschirrspülmittel?

Nichts da. Fomo ist das zweite Album von Liam Finn, seines Zeichens Sohn von Neil Finn, bekannt als einer der Köpfe von Neuseelands Pop-Institution Crowded House. Mit der Band seines Vaters hat er ebenso schon auf der Bühne gestanden wie (sicherlich auch dank guter Beziehungen) mit seiner eigenen Formation Betchadupa oder als Anheizer für Pearl Jam und Wilco.

Das Schöne an Fomo: Es klingt kein bisschen nach Familienbande. Der Nachfolger von Liam Finns Solodebüt I’ll Be Lightning (2009) ist eher die Platte, die man erwarten würde, wenn Ezra Koenig von Vampire Weekend ein Nebenprojekt starten, Thom Powers von The Naked And Famous plötzlich ein Soloalbum machen oder Kele von Bloc Party die Sache mit dem Clubsound auf The Boxer noch einmal überdenken würde. Es ist frisch und voller hübscher Melodien. Vor allem aber weiß Fomo (und diese Erkenntnis hat Liam Finn seinem Papa in jedem Fall voraus) um die Stärke des Rhythmus.

Eine Bass Drum und ein minimalistisches Klavier reichen im Opener Neurotic World aus, um für Spannung zu sorgen. „I haven’t got the answer / just a sense of urgency / in the modern neurotic world“, lautet der Refrain, und mit diesem Mix aus Eingängigem und Unbestimmtem gibt Liam Finn bereits den Ton für den Rest der Platte vor. „We wanted to make music that had an immediate effect on people who aren’t into the same kind of music we are“, sagt er über die Zusammenarbeit mit Produzent Burke Reid. „We wanted to create music that, once you got into it, you could appreciate was good… but when you first heard a song, there was just something about it that made you respond, instantly.“

Don’t Even Know Your Name erreicht dieses Ziel mit einem kompakten Beat und hat zudem ein tolles Break mit einem mutig markanten Bass zu bieten. Roll Of The Eye beginnt mit ganz simplem Schlagzeug, steigert sich dann aber bis in die Dimensionen von Prog-Rock (oder zumindest den Smashing Pumpkins).

Dass all diese Instrumente tatsächlich von bloß einem Mann gespielt werden, mag man kaum glauben. Aber auch live schafft es Liam Finn schließlich, Gitarre und Schlagzeug gleichzeitig zu bedienen, und zwischendurch noch ein paar Loops zu starten. Cold Feet, das an die Helligkeit und Leichtigkeit der Fountains Of Wayne erinnert und die Geschichte einer Sommerliebe erzählt, die noch kein rechtes Ende gefunden hat, obwohl der Sommer längst verblasst, dürfte bei den kommenden Shows zu den Publikumslieblingen gehören. Real Late muss man beinahe sexy nennen – so könnte Prince in einem seiner zurückgenommeneren Momenten klingen.

Der beinahe hysterische Sprechgesang zu den Glamrock-Klängen von The Struggle ist mit einiger Wahrscheinlichkeit an Jarvis Cocker geschult. Die bezaubernde Einfachheit und Eindringlichkeit von Reckless dürfte allen Fans von Graham Coxon gefallen. Und ganz am Schluss treibt Jump Your Bones die Bedeutung des Rhythmus für Fomo auf die Spitze. Ganz in der Ferne scheint da irgendwo der Karneval in Rio zu toben (ist ja auch nicht ganz so weit weg, von Neuseeland aus betrachtet).

Zwei Songs hat Liam Finn dann doch noch zu bieten, die an die Musik seines Vaters erinnern. Little Words, quasi eine zweieinhalbminütige John-Lennon-Andacht, hätte man sich auch von Crowded House vorstellen können. Und Chase The Seasons hat all die Stärken dieser Band (schamlose Beatles-Seligkeit und meisterhafte Komplexität) und auch ihre einzige Schwäche (die Selbstverliebtheit). Trotzdem klingt Fomo ebenso kompetent wie aktuell. Was die wahre Bedeutung des Albumtitels angeht, muss sich Liam Finn mit solchen Songs erst einmal keine Sorgen machen: Fomo ist die Abkürzung für „fear of missing out“.

Ich habe so den leisen Verdacht, dass der Schnee im Video zu Cold Feet nicht echt ist:

Liam Finn bei MySpace.

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