Hingehört: Low – „The Invisible Way“


Es braucht nicht viel für große Songs - das beweist "The Invisible Way".

Es braucht nicht viel für große Songs – das beweist „The Invisible Way“.

Künstler Low
Album The Invisible Way
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Auch im 20. Jahr ihres Bestehens und dem zehnten Album von Low muss man es noch einmal sagen: Es könnte keinen besseren Namen geben für diese Band. „Low“ heißt schließlich zum einen „leise“. Zum anderen bedeutet es aber auch „niedergeschlagen“. Und genau diese beiden Adjektive sind auch auf The Invisible Way die wichtigsten Zutaten bei der Beschreibung der Musik des Trios aus Minnesota.

Wenn ein Lied von Low So Blue heißt, dann darf man gewiss sein, dass da nicht der heitere Sommerhimmel besungen wird. Der Plastic Cup im gleichnamigen Opener, mit akustischer Gitarre und unheilvollem Schlagzeug, ist kein Besäufnis-Utensil einer spontanen Party im Studentenwohnheim, sondern gehört zu einer bedrückenden Diagnose im Krankenhaus (oder wenigstens zu einem Drogentest, das kann man nicht so genau erschließen). „Now they make you piss into a plastic cup“, heißt die dazugehörige Zeile. Und auch hinter einen harmlosen Songtitel wie Waiting können Low eine weise, zentnerschwere Zeile wie „truth can hide / sometimes right behind the sorrow“ und dazu noch eine magische Kraft packen.

“Ihr kennt unseren Modus Operandi: langsam, leise, manchmal melancholisch und – so hoffen wir zumindest – manchmal auch schön…“, umschreibt Gitarrist und Sänger Alan Sparhawk die ewigen Konstanten im Low-Universum. Freilich ist das Trio auch auf The Invisible Way weit davon entfernt, langweilig zu sein. Das liegt erstens an den Themen: „Songs über Intimität, den Drogenkrieg, den Klassenkrieg, den guten alten Kriegs-Krieg, Archäologie und Liebe“, verspricht Sparhawk – und hält Wort.

Zweitens trägt die Entstehungsgeschichte dazu bei. Jeff Tweedy von Wilco hat die Platte produziert, und das war gleichermaßen überfällig wie zufällig. „Während wir in Chicago auf Tour waren, besuchten wir Wilco in deren Studio The Loft“, erzählt Alan Sparhawk. „In den letzten Jahren hatten sie uns immer wieder eingeladen, mal vorbeizukommen und uns das Studio anzuschauen, heute war es so weit. Das ist wirklich ein toller Ort – ein Meer von Instrumenten in einer total entspannten und kreativen Arbeitsatmosphäre. Das war schon extrem cool.“

Drittens lebt The Invisible Way von der Tatsache, dass Schlagzeugerin Mimi Parker diesmal auch oft als Sängerin glänzen darf. Fünf der elf Lieder singt sie, bei zwei weiteren ist sie eine mindestens ebenbürtige Duettpartnerin für Alan Sparhawk.

Es gibt etliche Lieder auf diesem Album, die beinahe ganz alleine von ihrem Gesang leben, denn The Invisible Way ist eine äußerst reduzierte Platte. To Our Knees, der Abschlusssong, ist ein typischer Vertreter für diesen Sound: Es gibt diese sagenhafte Stimme, ein bisschen E-Gitarre und noch weniger Klavier. In Just Make It Stop braucht es nur ein schüchternes Schlagzeug, eine E-Gitarre, die sich selbst nicht über den Weg zu trauen scheint, und diese sirenenhafte Stimme, um ganz viel Spannung zu erzeugen.

Amethyst ist eines der Duette, klingt zugleich verletzt und zerbrechlich. Jeder Ton, jeder Takt wirkt wie ein behutsamer Schritt auf enorm brüchigen Eis, mit blutigen Füßen. Wenn Sparhawks Stimme die Führung übernimmt, wie im ebenso luftigen wie innigen Mother, beweisen Low ebenfalls, dass es nicht viel braucht, um einen tollen Song zu kreieren. Clarence White setzt auf einen Beat wie von einer Sklavengaleere und eine Stimme in der Nähe von Peter Gabriel. „I know I shouldn’t be afraid“, heißt die erste Zeile des Refrains. Doch daraus spricht nicht Mut. Sondern nur die Entschlossenheit, nicht noch mehr Kummer ertragen zu wollen.

Innig und luftig ist auch die Performance von Waiting bei Jools Holland:

Homepage von Low.

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