Hingehört: Mumford & Sons – „The Road To Red Rocks“ 2


Den Abschluss ihrer US-Tour haben Mumford & Sons auf "Road To Red Rocks" verewigt.

Den Abschluss ihrer US-Tour haben Mumford & Sons auf „Road To Red Rocks“ verewigt.

Künstler Mumford & Sons
DVD The Road To Red Rocks
Label Universal
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Es gibt Bands, deren natürliches Lebensumfeld ist das Aufnahmestudio (ja, Radiohead, ihr seid gemeint). Es gibt welche, die fühlen sich beim Fotoshooting am wohlsten (die Jungs von Hurts sollen gar nicht erst versuchen, das zu leugnen). Und es gibt solche, die gehören auf die Bühne. So oft wie möglich. Zu diesen Bands zählen Mumford & Sons, und The Road To Red Rocks ist der beste Beweis dafür.

Die erste Live-DVD dokumentiert die US-Tournee der Briten im Sommer 2012. Der Großteil der 81 Minuten Spielzeit besteht aus dem Abschlusskonzert im Denver Red Rocks Amphitheater am 29. August, dazwischen sind Szenen der Konzertreise zu sehen, aus dem Off kommentiert oder mit Sequenzen aus Radio-Interviews vermengt. Die DVD ist übrigens auch auf der zeitgleich erscheinenden Gentlemen Of The Road Deluxe Edition von Babel enthalten, die zudem das komplette Album und eine Live-CD umfasst.

Die Live-Stärke von Mumford & Sons unterstreicht die DVD nicht etwa, weil hier plötzlich Mega-Versionen zu hören wären, die Stücke der beiden Alben Sigh No More und Babel in völlig neuen Arrangements oder mit nie gehörter Klasse erklingen würden. Aber auf der Bühne sind diese Lieder und diese Musiker dort, wo sie hingehören. Gemeinschaft ist vielleicht der wichtigste Wert für Mumford & Sons, und im Konzert können sie das besser ausleben als irgendwo sonst – sowohl innerhalb der Band als auch in der Kommunikation mit den Fans.

„Wir wollten nie in Stadien spielen“, sagen Mumford & Sons, und man merkt ihnen an, dass sie Fakten wie Brit-Award, Grammy-Nominierung oder Nummer-1-Alben selbst noch immer nicht so recht glauben können. Ein spektakulärer Auftrittsort wie Red Rocks, umschlossen von mächtigen Felsen, am Horizont mit den Lichtern von Denver, flößt ihnen sehr offensichtlich Ehrfurcht und Stolz zugleich ein. Mumford & Sons sind glücklich, dankbar, und fest entschlossen, ihren Erfolg zu genießen. Und zwar nach ihren Regeln.

Es sind unendlich viele Umarmungen zu sehen in The Road To Red Rocks: zwischen den Bandmitgliedern, mit anderen Musikern, mit der Crew, sogar auf der Rückseite der DVD-Hülle. Egos scheinen hier nicht zu existieren, und auch ganz explizit betonen Mumford & Sons, wie sehr ihre Band ein Gemeinschaftsunternehmen ist und wie wichtig Zusammenarbeit ist, auch mit anderen Bands. Unter anderem mit den Maccabees stellen sie in Portland ein eigenes kleines Mini-Festival auf die Beine, albern hinter der Bühne mit den Mädels von Haim herum und holen auch in Red Rocks für ein Lied noch Verstärkung auf die Bühne: Dawes machen bei Awake My Soul mit.

Bei diesem Gastauftritt nähert sich das Konzert schon dem Ende. Am Anfang von The Road To Red Rocks stehen vier Minuten, in denen Mumford & Sons die ersten Strophen von Lovers’ Eyes fast komplett im Dunkeln spielen. Als wollten sie zeigen: Dies ist keine Show, sondern ein Konzert. Hier geht es um die Musik. Danach gibt es den Kracher Little Lion Man schon als zweites Lied, für die Spannungskurve ist das trotzdem nicht schädlich. Die Songs funktionieren hier durchweg besser als auf Platte, denn sie sind noch inniger gespielt – und es stört auch nicht, dass sie oft nach demselben Schema funktionieren, weil die Steigerung, die in den meisten Liedern steckt, durch die Begeisterung der Fans einfach nur den Effekt multipliziert, dass man sich auf einen ganz besonderen Moment und eine ganz bestimmte Stimmung freut, und genau das dann auch Wirklichkeit wird.

Zu dieser allgegenwärtigen Harmonie passt, dass alle Outfits (das gilt für die Musiker, aber auch für das Publikum) auf The Road To Red Rocks aussehen, als kämen sie mitten aus dem Jahr 1969. Genauso altmodisch, ursprünglich und unprätentiös ist letztlich der Sound von Mumford & Sons, genauso hoffnungsvoll und warm wie die Erinnerung an den Geist dieser Ära sind ihre Lieder, und darin steckt nach wie vor ein enormer Reiz. Wenn man sieht, wie sie hier beispielsweise ein wahnsinnig intensives I Will Wait als vorletztes Lied spielen, dann kann man nur staunen und sich freuen, wie viel Kraft ein paar Männer mit Gitarren noch immer haben können.

Der Trailer für The Road To Red Rocks:

Homepage von Mumford & Sons.


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