Hingehört: New Found Glory – „Catalyst“


Auch "Catalyst" zeigt: New Found Glory haben ein Imageproblem.

Künstler New Found Glory
Album Catalyst
Label Geffen
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ***

Man braucht eine gewisse Portion Mut, um sich als Fan von Blink 182 zu bekennen. Denn für den zart besaiteten Musikhörer sind das die seltsamen Typen, die ständig nackt umherrennen, schrecklich tätowiert sind und viel zu nervige Musik machen. Für die härteren Jungs sind es Clowns, die ständig nackt umherrennen, über deren Hardcore-Nebenprojekte man höchstens lächelt und die man gerne mal als Comic-Punks beschimpft.

Was soll man da erst von New Found Glory halten? Schließlich klingen die genau wie Blink 182 und gestalten ihr Albumcover, ihr Video und ihre Homepage auch noch freiwillig als Comic. Also Trittbrettfahrer – und auch noch mit schlechten Vorbildern.

Dabei gab es New Found Glory schon längst, als man erstmals etwas von Blink 182 hörte. Dabei hat das Quintett aus Florida das ganze Programm von den Anfängen in der Garage über jahrelanges Tingeln quer durch die Staaten (unter anderem auf der Warp-Tour und mit den Get Up Kids) bis zu ihrem mittlerweile fünften Album namens Catalyst hinter sich. Und dabei scheren sich New Found Glory ohnehin nicht um Genrediskussionen, Images und Glaubwürdigkeit.

Stattdessen liefern sie seit 1997 beständig Platten, zu denen man (wenn man sich ebenfalls nicht um Genrediskussionen, Images und Glaubwürdigkeit schert) schlicht und einfach eine gute Zeit haben kann. Das trifft auch auf Catalyst voll und ganz zu. Der Titel klingt zwar eher nach Schlaumeierei als nach Party, ist aber treffend gewählt: Ein Katalysator führt Reaktionen und Veränderungen herbei, ohne sich dabei selbst zu verändern. Und so funktioniert auch das Album.

Im Kern ist es ganz und gar New Found Glory, also Emo-Riffs, Bubblegum-Melodien und Texte über Freude, Freunde und Freundinnen. Dazu kommen diesmal kleine Verschiebungen, Ausflüge und Experimente. Für die Ballade I Don’t Wanna Know hat der Vater von Beck die Streicherparts geschrieben. Failure’s Not Flattering (der bezeichnende Arbeitstitel des Stücks hieß Belinda Carlisle) spielt unverschämt mit 1980er-Pop, samt Keyboards und Background-Harmonien. Ending In Tragedy kommt gar im Walzertakt daher.

Dank der bewährten Produktion von Neal Avron (Everclear, Wallflowers, Sum 41) klingt das alles genau richtig und gleichzeitig knüppelhart und watteweich. Vielleicht ist es waghalsig, sich an New Found Glory heranzutrauen. Doch der Mut wird belohnt.

In letzter Zeit haben sich New Found Glory auf schräge Coverversionen verlegt, wie hier mit Justin Timberlakes Cry Me A River:

New Found Glory bei MySpace.

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