Hingehört: Nightlands – „Oak Island“


Intelligenten Wohlklang bietet "Oak Island" von Nightlands.

Intelligenten Wohlklang bietet „Oak Island“ von Nightlands.

Künstler Nightlands
Album Oak Island
Label Secretly Canadian
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung ***

Man muss vorsichtig sein. Man könnte schnell den Fehler begehen und Oak Island, das zweite Album von Nightlands, als fluffig abtun. Als die Sorte von tiefenentspanntem Gesäusel, das die Kifferband in Don Winslows Kings Of Cool am Laguna Beach womöglich am liebsten hört. Aber damit würde man Dave Hartley, dem Mann, der Nightlands ist, unrecht tun. Und eine ganze Menge Dimensionen dieses Albums verpassen.

„Learning to sing is the hardest thing to do“, behauptet Dave Hartley in Born To Love, und er scheint dabei aus Erfahrung zu sprechen. Nicht, weil seine Stimme klingt, als habe sie erst mühsam in einen Bereich hineintrainiert werden müssen, in dem sie schön ist. Sondern weil auf Oak Island die Grenzen dessen ausgetestet werden, was man (immer unter der Prämisse des Wohlklangs) mit Gesang anstellen kann. Quasi jedes Lied hat gleich mehrere Schichten von Gesang, fast immer mit reichlich Effekten verziert, die sich aufeinandertürmen und ineinandergreifen.

Gleich zu Beginn werden die ersten Zeilen („I’d like to invite you for a little while“) in Time & Peace von einem Echo davongetragen. In Nico zieht der Harmoniegesang im Hintergrund Schleifen. Im maximal verzögerten Funk von So It Goes schwebt die Stimme in ähnlich herbe Höhen wie Damon Albarn in seinen sensibelsten Momenten. Other People’s Pockets bekommt durch die Mehrstimmigkeit ein bisschen Gospel-Flair. I Fell In Love With A Feeling, der forschste und beste Song des Albums, fährt sogar einen Bee-Gees-Gedächtnischor auf.

Man hört Oak Island an, wie genau jeder einzelne Track hier ausgetüftelt ist, und diese wohltuende Intelligenz sorgt dafür, dass die Platte trotz ihres sehr einheitlichen Sounds und der geringen Variationen in Sachen Tempo oder Dynamik nicht langweilig wird. Die fantasievollen Percussions tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, ebenso wie der wundervolle Bass (Dave Hartley ist im Hauptberuf schließlich mit dem Viersaiter bei The War On Drugs beschäftigt). Das traumhafte So Far So Long, einer der Höhepunkte, ist ein gutes Beispiel dafür, das geschickt einen Bossa-Nova-Takt, Flöten und sogar eine Kuhglocke integriert.

Durchweg gibt es eingängige Melodien und leicht verdauliche Klanglandschaften, aber immer genug Ideen und Substanz, um das Ergebnis nicht seicht werden zu lassen. An die Beta Band mit einer Seventies-Vorliebe muss man oft denken, auch an Two Door Cinema Club im Streichelzoo. All das macht Oak Island zu einem wunderhübschen Album, das es schafft, zugleich synthetisch und warm zu klingen: Als hätte man einen Computer beauftragt, die perfekte Klangmischung aus Crosby, Stills, Nash & Young, Brian Eno und Wet Wet Wet zu erschaffen.

Eine Vorliebe für Geometrie und seltsames Makeup lässt das Video zu I Fell In Love With A Feeling erkennen:

Homepage von Nightlands.

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