„Reason To Believe – The Songs Of Tim Hardin“


Künstler Diverse

13 Künstler ziehen auf "Reason To Believe" den Hut vor Tim Hardin.

13 Künstler ziehen auf „Reason To Believe“ den Hut vor Tim Hardin.

Album Reason To Believe – The Songs Of Tim Hardin
Label Full Time Hobby
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Bobby Darin hat daraus 1966 einen Hit gemacht. Die Animals haben das Lied aufgenommen, Joan Baez, Sheryl Crow, die Small Faces, Yo La Tengo, Johnny Cash, die Four Tops, Marie Fredriksson von Roxette, Robert Plant, die Dropkick Murphys und zig andere. Braucht die Welt also wirklich noch eine neue Coverversion von If I Were A Carpenter? Die Antwort heißt eindeutig: ja.

Zum einen ist die Interpretation der Smoke Fairies hoch originell: Der Track wird düster, sumpfig, geisterhaft. Der Gesang ist vernuschelt, das Schlagzeug spielt einen Todesmarsch und die Orgel klingt, als wollte sie die ganze Welt verhöhnen. “We thought it would be interesting to have a go at a song that had already been covered by many artists and try to give it a different feel. There is a sadness and an insecurity to the song; questioning the love of someone close and hoping they are going to remain close to you through everything, whether you are rich or poor”, erklären Smoke Fairies ihren Ansatz. “We took it in a heavier direction to give it a dark and possessive feel.”

Zum anderen findet sich der Track auf Reason To Believe – The Songs of Tim Hardin, einem höchst löblichen Tribute-Album. Die Damen und Herren von Full Time Hobby wollen damit die Arbeit des legendären Songwriters ehren und ihn einem neuen Publikum vorstellen. „So many people’s entry point to Tim has been through cover versions,” sagt Full Time Hobby’s Nigel Adams, der diese Veröffentlichung betreut hat. “It felt fitting to bring his songs up to date with contemporary artists approaching his music with the hope listeners would then go beyond the well known and dig into some of the wealth of songs he wrote and recorded.”

Dreizehn Lieder aus der Karriere von Tim Hardin sind nun auf dem Sampler vertreten. Sie zeigen: Der Mann, der 1940 in Oregon geboren wurde und 1980 als 39-jähriger Junkie starb, wurde zu Beginn seiner Karriere zwar vor allem als Sänger geschätzt und nach seinem Tod blieb er vor allem wegen seines chaotischen Lebenswandels (er schlief schon mal mitten in seinem eigenen Konzert ein oder hatte ein legendär verpeiltes Gastspiel in Woodstock) in Erinnerung. Aber er war auch ein großartiger Songwriter.

Vielen seiner Stücke hört man an, wie unberechenbar und zerrissen Tim Hardin war. Als „a sad, stumbling man whose work displays a constant personal struggle“ hat ihn Sounds im Jahr 1971 charakterisiert. Die Neuinterpretationen auf Reason To Believe greifen diese Grundstimmung sehr sensibel auf, haben aber doch eine große stilistische Bandbreite.

Es gibt beinahe skizzenhaftes wie If I Knew von Sarabeth Tucek, das nicht einmal zwei Minuten lang ist und bloß auf Gesang und ein paar Klavierakkorde setzt. Dem stehen Stücke wie I Can’t Slow Down von Pinkunoizu gegenüber, dreimal so lang, mit bedrohlicher Dylan-Atmosphäre und am Ende völlig durchdrehenden Streichern, die Nils Gröndahl (Under Byen) beisteuert.

Zu Beginn lassen The Phoenix Foundation Don’t Make Promises You Can’t Keep ganz verträumt klingen, fast wie in Trance. „We gave it a cosmic-space-church-gospel-tripper treatment”, sagt Sänger Sam Scott – das hätten die Byrds auch nicht besser hinbekommen. The Sand Band verschieben die Koordinaten mit Reason To Believe noch ein bisschen mehr in Richtung Country, mit einer Stimme, die den dezent kaputten Charme des späten Donovan hat. Mark Lanegan verdeutlicht mit dem streng akustischen Red Balloon (in einem ebensolchen transportierte Tim Hardin übrigens gerne sein Heroin) die ganze melodiöse Klasse und emotionale Tiefe des Songs.

Diagrams fügen Part Of The Wind ein paar Computergeräusche hinzu. It’s Hard To Believe In Love For Long aus dem Jahr 1967 klingt in der Version von The Magnetic North plötzlich hoch modern mit seinem Mix aus Shoegaze und komplexen Rhythmen. Alela Diane lässt How Can We Hang On To A Dream? todtraurig klingen, nach einer Beerdigung, bei der alle Träume der Welt zu Grabe getragen werden.

Okkervil River, die ihr gesamtes Album Black Sheep Boy über das Werk von Tim Hardin gemacht haben, schaffen es, It’ll Never Happen Again die Intensität eines Soul-Schmachtfetzens angedeihen zu lassen, Gavin Clark verwandelt Shiloh Town in eine Mörderballade und Hannah Peel verpasst der Eulogy For Lenny Bruce einen zuckersüßen Sound samt Spieluhr.

Alle Interpretationen sind Coverversionen der besten Art: Sie lassen das Original kaum wiedererkennen, ohne es aber seiner Essenz zu berauben. Und sie sind ein toller Ausgangspunkt, um Tim Hardin neu oder wieder zu entdecken. Wie lohnend das ist, beweisen diese Songs – und das Schlusswort von The Magnetic North: „Throughout Tim Hardin’s melodies and lyrics there is a weight of emotion and a rich seam of melancholy which endures the test time and makes them just as relevant today as when he wrote them, if not more so.”

Ein Tribut an Tim Hardin, auch live:

Fanseite über Tim Hardin.

 

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