Hingehört: Rosalie und Wanda – „Meister Hora“


Heiter, mystisch und elegant klingt "Meister Hora".

Heiter, mystisch und elegant klingt „Meister Hora“.

Künstler Rosalie und Wanda
Album Meister Hora
Label Ahoi Records
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung  

Im Ungefähren spielen sich die Lieder von Rosalie und Wanda ab. Es ist „die Art von Musik, die man auf einer Wiese unter Kastanien hören und ein wenig dazu träumen möchte“, hat die Süddeutsche ganz richtig formuliert. Eine höchst entspannte Heiterkeit ist die Grundstimmung von Meister Hora, aber nicht als langweiliges Chill-Out, sondern gepaart mit einem neugierigen Blick aufs Leben, mit Lust auf Entdeckungen und Überraschungen.

Dass Sängerin Rosalie Eberle aus München für ihr neues Projekt (nach Rosalie & Jakob) einen Namen gewählt hat, der nach Duo klingt, aber ihr ganz eigenes Baby ist (auch wenn sie von Manfred Mildenberger an Schlagzeug und Klavier sowie Sascha Biebergeil an der Gitarre unterstützt wird), passt da ins Bild. Dass der Albumtitel Meister Hora anspielt auf den Stundenzähler aus Michael Endes Roman Momo, ebenfalls. Und wenn dann im vorletzten (und vergleichsweise abstrakten) Lied die Cheshire Cat auftaucht, also die Grinsekatze aus Alice im Wunderland, dann wirkt das längst schlüssig. „Schlauen Artpop mit märchenhaft poetischer Ader“, hat On3 deshalb auf die passende Schublade für Rosalie und Wanda geschrieben.

Zur Mystik von Meister Hora trägt auch das bei, was hier nur angedeutet wird. Lulu, die Frau, die im ersten Lied dieses Debütalbums besungen wird und früher wohl reihenweise den Männern den Kopf verdreht hat, ist nur eine Erinnerung in diesem Song. Im folgenden Apfelbaum ist die Liebste abwesend, für die man am liebsten einen Baum pflanzen würde. Danach fehlen in Ich wunder mich immerhin noch alle Autos von Venedig.

Wer das verwirrend oder allzu fantastisch findet, liegt gar nicht so falsch. „Das Album ist so wie es ist. Es ist wenig konstruiert. Es ist das was ich denke und fühle“, erklärt Rosalie Eberle ihren Ansatz, der Countryfeeling hervorbringen kann wie in Starry Eyed (einem von drei englischen Liedern auf Meister Hora), eleganten, emotionalen und zugleich energischen Pop à la Boy wie in Ready For Love, eine Atmosphäre im Stile von Kid Kopphausen mit E-Gitarre und kräftigem Schlagzeug (der Titelsong) oder Geh weiter, das mit seiner Soundästhetik (und der Unterstützung durch die Männerstimme, die wohl Philipp Klemz beisteuert) auch wunderbar zu Prag passen würde.

Das beste Stück kommt ganz am Ende: Nur von einer Gitarre wird Rosalie Eberle im tollen Suddenly begleitet, und dabei kann ihre (während eines Jazz-Gesangs-Studiums ausgebildete) Stimme am meisten Wirkung entfalten. „Eine der prägnantesten und charismatischsten Stimmen im aktuellen deutschen Pop“, hat On3 darin erkannt. So weit muss man noch nicht gehen. Aber in jedem Fall ist Meister Hora ein sehr willkommenes Debüt. Feiner akustischer Pop, mit großer Selbstverständlichkeit gespielt – das ist hierzulande ja beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Rosalie, Wanda und noch jemand spielen Suddenly:

Homepage von Rosalie und Wanda.

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