Hingehört: Rose Windows – „The Sun Dogs“


Psychedelik ist die wichtigste Zutat von "The Sun Dogs".

Psychedelik ist die wichtigste Zutat von „The Sun Dogs“.

Künstler Rose Windows
Album The Sun Dogs
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Nixon besucht China! Creedence Clearwater Revival trennen sich im Streit! Geiselnahme bei den Olympischen Spielen!

Das sind die Schlagzeilen, die offensichtlich die Welt von Rose Windows dominieren. Denn legt man das Debütalbum The Sun Dogs zugrunde, dann ist das Septett aus Seattle ganz eindeutig mitten im Jahr 1972 stecken geblieben.

Das meint nicht nur den Look der Band, der aus viel Cord, vielen Karos und noch mehr Haaren besteht. Es meint auch die Texte von Chris Cheveyo. Er schreibt mit Vorliebe über „den täglichen Trübsinn, den der Kapitalismus und seine Begleiter über uns bringen“, sagt er. Aber er ist sich auch nicht zu schade für Hippie-Wortgebilde wie „spirit warriors“, „olive eyes“ oder „burning sands“. Er hat auch nichts gegen eine Zeile wie „Silver smoke creates a ladder in the sky“.

Und es meint vor allem den Sound der Rose Windows. Wer bei den oben erwähnten Zeilen an die Doors denken musste, liegt ziemlich richtig. Das neuneinhalbminütige This Shroud beginnt fast genau wie deren The End, entwickelt sich dann nach gut zwei Minuten zu einer Schlangenbeschwörung und schließlich zu etwas wie einem Led-Zeppelin-Jam. Dem monströsen Rocker Native Dreams, der auf eine fette Orgel setzt und deutlich erkennbares Black-Sabbath-Erbgut trägt, merkt man ebenfalls an, dass Cheveyo in einer Heavy-Post-Rock-Band aktiv war, bevor er vor drei Jahren Rose Windows gründete.

Auch in den ruhigeren Momenten von The Sun Dogs ist Psychedelik die wichtigste Zutat: Gespenstische Streicher und eine Stimme wie aus dem Jenseits prägen den Opener Spirit Modules. Sogar Flöten sind zu hören in dem Lied, das rückwärts laufen würde, wenn es noch ein kleines bisschen langsamer wäre. Heavenly Days könnte von den späten Byrds stammen, Walkin’ With A Woman hat eine spannende Atmosphäre und (wie etliche Lieder auf diesem Album) eine spannende Instrumentierung.

Ein weiteres Pfund, mit dem sich hier wuchern lässt, ist die Stimme von Rabia Shaheen Qazi, die genauso geheimnisvoll und besonders ist, wie dieser Name es vermuten lässt. Das sehr schöne Indian Summer lässt sie klingen, als hätten sich The Duke Spirit als traurige Apachen verkleidet. Wenn sie das akustische Season Of Serpents anstimmt, dann kann man sie sich nur in Woodstock vorstellen, barfuß, an einem Lagerfeuer, mit einem Lederbändchen im Haar. Auch dem besten Lied auf The Sun Dogs drückt sie ihren Stempel auf: Wartime Lovers ist einfallsreich, sexy und vor allem sagenhaft innig.

Dass „retro“ für Rose Windows definitiv der falsche Begriff ist, beweist spätestens der Rausschmeißer The Sun Dogs II: Coda. Das Lied wird vom Klavier getragen, das Schlagzeug ist bis zum Letzten reduziert, dazu gibt es arabische Streicher. Das ist schwebend, schön, intensiv – und zeitlos.

Der Tourbus im Video zu Wartime Lovers sieht auch nach Baujahr 1972 aus:

Rose Windows bei Facebook.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.