Roxette – „She’s Got Nothing On (But The Radio)“ 3


Künstler Roxette

Sie hat nichts an, nur das Radio. Subtil, nicht wahr?

Sie hat nichts an, nur das Radio. Subtil, nicht wahr?

Single She’s Got Nothing On (But The Radio)
Label Emi
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Das Radio hat in der Karriere von Roxette eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Der Sender Radio P3 war es, der einst Gyllene Tider zu einer Talentshow einlud – und ohne diesen Lichtblick in den Anfangstagen seiner ersten richtigen Band hätte sich Per Gessle vielleicht niemals für eine Karriere als professioneller Musiker entschieden. Später war es ein amerikanischer Austauschstudent, der The Look auf einer Kassette mit in seine Heimat brachte und dafür sorgte, dass der Song dort ein Riesenhit wurde – der internationale Durchbruch für Roxette. Und auch, als Per Gessle und Marie Fredriksson in den Charts dieser Welt keine Dauerkarte mehr für die Spitzenplätze hatten, waren sie im Radio immer noch höchst gerne gesehene Stammgäste. Allein It Must Have Been Love wurde bis heute mehr als vier Millionen Mal im US-Radio gespielt.

Ein Lied, in dem das Radio gleich im Titel erwähnt wird, gab es (abgesehen von ein paar Radio-Remixes, also meist gekürzten Versionen von längeren Stücken) bisher noch nicht von Roxette. Das ändert sich jetzt. She’s Got Nothing On (But The Radio) ist die erste Single vom Comeback-Album Charm School. Und sie hätte kaum besser werden können.

Dabei ist Per mittlerweile gar nicht mehr besonders gut auf die Radiomacher zu sprechen. „Die Radiosender spielen nur noch eine ganz bestimmte Art von Musik“, hat er kürzlich im Interview mit mir geschimpft. „Als ich aufgewachsen bin und mir in den späten 1960ern oder frühen 1970ern die Hitparade angehört habe, gab es noch alle möglichen Arten von Musik. Da standen T. Rex neben Gilbert O’Sullivan. Oder Tom Jones neben Led Zeppelin. Es war eine unglaubliche Vielfalt. So sollte das sein, aber das Radio entspricht dem heute nicht mehr.“

Die Radiomacher haben das Lied trotz solche kritischer Worte wieder ins Herz geschlossen: In Deutschland kam She’s Got Nothing On (But The Radio) auf Platz 10 der Charts und wurde damit, auch dank einer Menge Airplay, der größte Roxette-Hit hierzulande seit How Do You Do! im Jahr 1992. Und in England hat BBC2 Charm School gerade zum Album der Woche erkoren.

Dabei spielt das Radio natürlich kaum eine Rolle in diesem Kracher. Es geht Per wohl eher um den Kalauer, die Anzüglichkeit in diesem kleinen Wortspiel. Auch das mag zunächst erstaunen bei einer Band, die doch gemeinhin für jugendfrei, wenn nicht sogar harmlos gehalten wird. Doch man muss sich nur an Sleeping In My Car erinnern (das in manchen arabischen Ländern wegen seines zu expliziten Textes auf dem Index stand), an Do You Get Excited? oder an Wish I Could Fly (hier übrigens in einer sehr gelungenen Live-Version aus St. Petersburg als B-Seite vertreten) mit viel nackter Haut im Video, um dieses Klischee zu widerlegen.

Nun ziert ein PinUp-Girl das Cover der neuen Single, vor einem Hintergrund aus historischen Zeitungsseiten, die leichte Assoziationen an das Cover von Look Sharp! wecken. Und der Text ist voller winziger, erotischer Anspielungen: „What she got she got to let somebody find it / what she got is not for her to keep alone.” Dieses Versteckspiel, diese Heimlichtuerei mit der eigenen Sexualität – das ist der Stoff, aus dem Teenager-Träume sind, und den beherrschten Roxette schon immer am besten.

Die Musik ist die Entsprechung davon: ungestüm, albern, betörend. Zugleich spielt auch der Sound mit dem Roxette-Image: Im Refrain wird ein sagenhaft plumper Beat von fabelhaften Keyboards emporgehoben. In der zweiten Strophe setzt ein Gitarrenriff ein, das eigentlich viel zu heavy ist für Mainstreamradio. Und der Bass steht ebenso ganz im Dienste des schnellen, oberflächlichen Pop-Genusses wie das lang vermisste Zusammenspiel der Stimmen von Per und Marie.

Nach all der ärgerlichen Best-Of-Resteverwertung ist She’s Got Nothing On (But The Radio) ein hoch willkommenes Comeback. Eine so frische, lebendige und packende Rückkehr hätten Roxette wohl nur die wenigsten zugetraut.

Auch das Video zu She’s Got Nothing On (But The Radio) ist sagenhaft pop-verliebt. Wer sich Mühe gibt, findet ein paar Anspielungen auf Kylie Minogue, Depeche Mode und, ähm, Roxette:

Roxette bei MySpace.


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