Rubik – „Solar“ 1


Künstler Rubik

Rubik zeigen mit "Solar", wie man Indie ohne Verkniffenheit interpretieren kann.

Rubik zeigen mit „Solar“, wie man Indie ohne Verkniffenheit interpretieren kann.

Album Solar
Label Fullsteam
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Ironie-Alarm! Ausgerechnet Solar haben Rubik ihr drittes Album genannt. Dabei ist die Platte in ihrer Heimatstadt Helsinki entstanden – in einem würfelförmigen Raum, den Architekt Alvar Aalto in den 1950er Jahren entworfen hat und in den kein Licht dringt. So eine Umgebung passt nicht nur gut zu einer Band, die sich Rubik nennt. Es passt auch, weil in dem Würfel-Saal in der finnischen Hauptstadt auch schon Jimi Hendrix, Frank Zappa oder John Coltrane aufgetreten sind. Musikalische Freigeister also, zu denen man unbedingt auch Rubik zählen muss.

Denn das Quartett um Sänger und Gitarrist Artturi Taira, das 2007 mit Conscience Patrol sein Debüt vorlegte und mit dem Nachfolger Dada Bandits (2009) zumindest ein paar einflussreiche Blogger in Verzückung versetzte, zeigt auch auf seinem dritten Longplayer große Könnerschaft, enorme Kreativität und fast schon waghalsige Abenteuerlust. Mit dem Licht sind bei den Aufnahmen zu Solar offensichtlich auch alle Hemmungen, Schranken und Konventionen außen vor geblieben.

Der Anfang ist eine Fanfare, dann legt World Around You los, druckvoll, wirbelnd und mit einer Melodie im Refrain, für die wohl einst das Wort „betörend“ erfunden wurde. Sun’s Eyes hat die Piano-Ausgelassenheit von The Blood Arm. Towers Upon Towers mit seiner Orgel, die sich von Johann Sebastian Bach davonschleichen zu versuchen scheint, wird sphärisch und höchst faszinierend. Der Rausschmeißer The Dark Continent greift das Intro wieder auf und wächst sich dann zu einem Mini-Epos aus, so etwas wie das Sgt. Pepper von Rubik.

Das zeigt schon: Hier wird das ganz große Rad gedreht. Am besten führt das vielleicht Solar Death March (In Octaves) vor Augen, das Flamenco-Klatschen und Bläser auffährt und in gut sieben Minuten zu so etwas wie Progrock wird, ohne dass man eine einzige Sekunde des Lieds missen möchte. „The best songs we have ever written“, seien auf Solar versammelt, meint Artturi Taira, und man kann ihm nicht widersprechen.

Storm In A Glass Of Water spielt mit spannenden Widersprüchen: Das Riff könnte ein Killer sein, wenn es auf einer E- statt einer Konzertgitarre gespielt würde. Der komplexe Beat erinnert an Hardcore-Könnerschaft, ist aber ganz sachte gespielt. Und die Stimme schwingt sich am Ende ins höchste Falsett auf, ohne deshalb weniger Kraft zu entfalten. Wenn dann auch noch die Single Laws Of Gravity klingt wie Spandau Ballet mit Dave Grohl am Schlagzeug oder es Crisis Meeting At The Lyceum auch noch schafft, ganz viele Elemente, die für sich genommen cheesy klingen, zu einem Ganzen zu vereinen, das vollkommen unpeinlich ist, dann kommt das schon fast einer Offenbarung gleich.

Immer wieder wirft Solar die Frage auf: Seit wann darf Indie eigentlich so viel Spaß machen – statt verkniffen zu sein? Seit wann sind Keyboards hier das Schlüsselinstrument – und nicht mehr Gitarren? Seit wann bezieht man sich als Indie-Trendsetter auf die Chartgrößen der 1980er – und nicht mehr auf die Untergrundhelden von damals? Die Antwort ist womöglich irgendwo zwischen den Koordinaten Klaxons, Vampire Weekend und MGMT zu suchen. In jedem Fall zeigen auch Rubik mit Solar: Schön, dass da jemand das Fenster aufgemacht und den alten Mief rausgelassen hat.

Wagemutig wie Rubik sind auch die Kerls im Video zu Laws Of Gravity:

Rubik bei MySpace.


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