Ryan Adams – „Gold“ 2


Künstler Ryan Adams

Mick Jagger mag es, dann kann „Gold“ nicht ganz schlecht sein.

Album Gold
Label Lost Highway
Erscheinungsjahr 2001
Bewertung

Mick Jagger hört nicht allzu viel neuere Musik. Das meiste interessiere ihn nicht, noch mehr sei Schund, ließ der Stones-Sänger neulich in einem Interview verlauten. Mit Ryan Adams hingegen könne er sich durchaus anfreunden.

Das Lob aus berufenem Munde rechtfertigt Ryan Adams auf Gold, seinem zweiten Album. New York, New York heißt der Opener. Vom 11. September ist darin nichts zu bemerken, und im Video stehen die World-Trade-Center-Türme auch noch. Zusammengebrochen ist hingegen die Beziehung. Farewell to the city and the love of my life / at least we left before we had to go.

Der Liebesschmerz ist wieder das dominierende Thema, nicht umsonst hieß Ryan Adams´ Debüt ja Heartbreaker. Denn hier haben wir es mit einem zu tun, der sich dem Kummer geradezu hinterherwirft, wie das wunderschöne Firecracker deutlich macht. Everybody wants to go forever / I just wanna burn up hard and bright / I just wanna be your firecracker / and maybe be your baby tonight. Die Instrumentierung dazu ist altmodisch, mit Gitarren, Hammond-Orgel und Mundharmonika.

Die Koordinaten sind damit klar und werden auch von den Mitstreitern verankert. Chris Stills ist dabei, der Sohn von Stephen. Benmont Tench von Tom Pettys Heartbreakers. Counting-Crows-Chef Adam Duritz. Nur Jakob Dylan fehlt.

Songwritertum ist dies, nicht mehr und nicht weniger, und in seinen besten Momenten bringt es verträumte Skizzen wie La Cienega Just Smiled hervor. Oder so unwiderstehlich Schmachtfetzen wie The Rescue Blues. Everybody wants to see you suffer / they know that you need the pain so much / everybody wants to see you fall / that´s why they always love to get you high. Wie gesagt: Adams braucht das Leiden, und diese Songs sind seine Therapie. When The Stars Go Blue oder das hoffnungslos romantische Sylvia Plath etwa. So gebrochen gesungen, dass man sogleich die zweite Medizin des Mannes erkennt, dessen ehemalige Band schließlich „Whiskeytown“ hieß: den Alkohol.

Noch kratziger wird die Stimme in Enemy Fire, der Text wird erstmals unversöhnlich, die Musik erstmals Neil-Young-brachial. Danach schwinden die Kräfte aber schnell wieder. Im Intro zu Gonna Make You Love Me reicht es noch für ein Pinball Wizzard-Zitat, doch schon Wildflowers muss sich beinahe selbst trösten, um nicht zusammenzubrechen.

Drei Highlights hat sich Ryan Adams noch für den Schluss aufgehoben. Das grandiose Harder Now That It´s Over ist so trostlos, dass es beinahe körperliche Schmerzen bereitet. I´m nothing now without you / yeah, I´m less than nothing now / I´m the one between the bars and lost forever now. Nicht intensiver, aber feuriger wird der Trennungsschmerz auf Touch, Feel & Lose zelebriert: Soul, wie er sein soll. Der Rausschmeißer Goodnight, Hollywood Blvd ist eine vollkommen unmoderne Piano-Ballade mit Streichern. Wie in den 80 Minuten zuvor regiert auch hier der Klassizismus. Aber wie hatte Mick Jagger doch gesagt? „I like Ryan Adams, which is not really new music. It´s retro. But it´s good retro.“

Das Video zu New York, New York (kein Sinatra-Cover!), aufgenommen vier Tage vor dem Terrorangriff auf das World Trade Center, also noch mit den intakten Türmen:

Ryan Adams bei MySpace.


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