Selig – „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ 1


Künstler Selig

"Von Ewigkeit zu Ewigkeit" ist die Essenz aus 16 Jahren Selig.

„Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ ist die Essenz aus 16 Jahren Selig.

Album Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Label Universal
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung

Als Selig 1994 in die deutsche Musikszene krachten, war das ein veritables Ereignis. Da kam plötzlich eine Band daher, die ganz klassischen Rock machte, aber mit deutschen Texten. Mit Anspruch, aber auch geil auf Erfolg. Sexy, aber nicht Plastik. Und vor allem: jung. Selig waren nicht Bap, Westernhagen oder die Toten Hosen. Selig waren Nirvana.

Die Folgen dieser Erschütterung sind heute noch spürbar. Ohne den Erfolg von Selig (250.000 verkaufte Exemplare alleine vom Debütalbum) wäre junger Mainstreamrock mit deutschen Texten, also beispielsweise Madsen oder Silbermond, heute vielleicht noch immer nicht denkbar. Auch nicht Echt! oder Tokio Hotel, die Selig-Entdecker Franz Plasa später unter seine Fittiche nahm. Für die massentauglichere deutsche Rockmusik hatte die Band um Sänger Jan Plewka sicher ähnliche Wirkungsmacht wie die fast zeitgleich gestarteten Tocotronic für die alternativere Variante von GitarreSchlagzeugBass.

Kein Wunder also, dass die Rückkehr von Selig vor zwei Jahren viel Jubel auslöste. Zumal das Comeback nach neun Jahren Pause nicht nur eine warme Erinnerung an eine Zeit bedeutete, als bauchfrei noch modisch, Tattoos noch eine Rarität und Bayer Uerdingen und Dynamo Dresden noch Bundesligisten waren. Selig hatten mit Und endlich Unendlich auch eine mehr als respektable Platte im Gepäck.

Mit dem heute erscheinenden Von Ewigkeit zu Ewigkeit knüpfen sie daran an. Sänger Jan Plewka sieht im fünften Selig-Album „die Essenz aus allem bisherigen Schaffen“, und das ist eine durchaus zutreffende Einschätzung. Die Platte ist etwas gewagter und rockiger als der Vorgänger, hat mit dem zupackenden Freier Fall und dem Titelsong aber noch immer genug Futter fürs Radio und sonst jede Menge Songs, die man gerne nachmittags bei Festivals hören wird.

Der Sound ist so klassisch, dass man schon zu Beginn, beim leicht exotischen 5000 Meilen, an Led Zeppelin denken muss, auch die Rolling Stones (Hey Ho) oder Primal Scream in ihrer Classic-Rock-Inkarnation (Lass sie reden) schimmern einige Male durch. Zu den Highlights zählt ohne Frage Wirklich gute Zeit, ein Lied über den Schmerz, den es bereitet, wenn man die Ex mit ihrem neuen Freund flirten sieht – das hätte auch Udo Lindenberg nicht cooler und romantischer hinbekommen. Auch Hey Ho mit seinem Beinahe-Sprechgesang beweist, dass in Selig noch genug Inspiration und Feuer steckt. Das angenehm reduzierte Du fährst zu schnell ist ebenfalls ein Treffer.

Noch immer klingt der Gesang von Jan Plewka so kaputt, dass man glaubt, er würde spätestens morgen seine Stimme verlieren. Noch immer haben Selig Spaß an der Pose, wie auf dem rätselhaften Albumcover oder der Tatsache, dass Von Ewigkeit zu Ewigkeit mit einem Stück namens Eingang beginnt und mit einem Lied namens Ausgang (und einem Hidden Track) endet. Und auch diesmal wieder gibt es ein bisschen Funk, hübsche Balladen und viele Songs, die nach (mindestens) Räucherstäbchen im Studio klingen.

Besonders aufregend ist das nicht, aber man darf hier durchaus schon die gelungene Fortsetzung des eigenen Erbes als Erfolg werten. Tocotronic würden dazu wohl sagen: Es ist einfach Rockmusik.

Selig singen von Ewigkeit zu Ewigkeit in einer Akustik-Version:

Selig bei MySpace.

Diesen Text gibt es auch bei news.de.


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