Hingehört: Sheryl Crow – „Sheryl Crow“ 2


Die heitere Naivität ist weg. Auf "Sheryl Crow" regiert die Dunkelheit.

Künstler Sheryl Crow
Album Sheryl Crow
Label A&M
Erscheinungsjahr 1996
Bewertung ***

Die ehemalige Band ist zerstritten und redet ihr übel nach, der ehemalige Liebhaber macht seltsame Andeutungen und kommt dann unter mysteriösen Umständen ums Leben, der ehemalige Gitarrengott Eric Clapton hält es auch nicht lange mit ihr aus.
Kein Wunder, dass Sheryl Crow auf dem Cover aussieht, als hätte sie gerade eine ziemlich harte Zeit hinter sich.

Das Album ist selbstbetitelt und selbstproduziert. Ein Neuanfang also, eine Trotzreaktion wohl. Der Opener Maybe Angels sucht dann auch betont bis verkrampft nach neuen Wegen. Das erste Geräusch der Platte klingt wie ein quietschender Bürostuhl, modernistische Beats untermalen den etwas uninspirierten Song. Doch dann geht´s bergauf.

Change kommt unbeschwert, mit Fuzz-Bass, handclaps und federleichten Drums daher. Die Single wurde dennoch das unspektakuläre Home – vielleicht Teil der Trotzreaktion. „My had is full of voices / and my house is full of lies / this is home / I woke this morning / to the sound of breaking hearts / mine is full of questions / and it´s tearing yours apart / this is home.“ Auch der zweite Hit ist nicht viel fröhlicher. „We´ve been down, real low down / you listen to Coltrane, do rail your own train / well, who hasn´t been there before“, heißt es in If It Makes You Happy. Den Refrain singt Sheryl Crow voller Emphase, ihre Stimme schneidet sich ins Fleisch, und die Band streut Salz in die Wunde.

Nur wenige Stücke haben diesmal eine solche Intensität. Der Mittelteil mit dem bongo-gelaunten Every Day Is A Winding Road, dem halbsexy Love Is A Good Thing, dem moralisierenden Oh, Marie und dem Funk-Versuch Superstar bleibt seltsam kühl und kalkuliert.

Erst gegen Ende steckt wieder Seele in den Songs. The Book haut Sheryl Crow jemandem um die Ohren, der keine Privatsphäre kennt. „I read your book / and I find it strange / ´cause I know that girl, and I know the world a little too well / you´re a voyeur, the worst kind of thief / to take what happened to us, to write down everything / that went on between you and me.“ Ordinary Morning quält sich zunächst voran und bricht dann in einem Schreianfall aus.

In Sad Sad World ist die Wut bereits aufgebraucht. Mit ihrer süßesten Stimme streckt Sheryl Crow hier die Hand zur Versöhnung aus – und wer könnte sie abschlagen? Auch die akustische alternate version von It´s Hard To Make A Stand ist höchst charmant und fast wieder so unbeschwert wie einst All I Wanna Do. „We got loud guitars and quiet suspicions / great, big guns and small ambitions / an we still argue over who is God.“

Am Ende wird doch noch alles gut.

Auch schwarz-weiß, aber vergleichsweise heiter: Der Clip zu Change, das dann doch noch eine Single wurde:

Sheryl Crow bei MySpace.


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