Hingehört: Shout Out Louds – „Optica“


Licht haben die Shout Out Louds zum Leitmotiv von "Optica" gemacht.

Licht haben die Shout Out Louds zum Leitmotiv von „Optica“ gemacht.

Künstler Shout Out Louds
Album Optica
Label Universal
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung ***1/2

Sonnenlicht. Das ist das Wort, das Bebban Stenborg als erstes einfällt, wenn es um Optica geht, das vierte Album der Shout Out Louds. „Während des vergangenen Jahres haben wir in der Band ständig über Licht gesprochen; über Fotografie und über visuelle Ideen wie das Lichtdesign auf Bühnen, bis hin zur Suche nach einer bestimmten Farbschattierung, die mehr ausdrückt als ihr Name es vorgibt. (…) Außerdem haben Adam und ich uns ständig über Meteoriten und Kometen unterhalten. Wir haben das Album also nach der Wissenschaft vom Licht Optica genannt“, erklärt die Keyboarderin und Sängerin des schwedischen Quintetts.

In der Tat wimmelt es in den Texten der zwölf Lieder, die sie gemeinsam mit Sänger Adam Olenius geschrieben hat, von Begriffen, die mit Licht zu tun haben. Die Sonne taucht immer wieder auf, aber auch Laternen, Farben, Blindheit, Sonnenbrillen. Illusions heißt zudem einer der Songs.

Wer Licht als Thema ein wenig banal findet, hat es bloß noch nie so erlebt wie die Shout Out Louds. „Wir betrachten Licht nicht als selbstverständlich. Ärzte verschreiben Licht zur Therapie verschiedener Leiden. Es gibt Orte, an denen man künstliches Sonnenlicht bekommt, wenn das echte im Winter knapp ist. Kehrt das Licht im Frühling zurück, dann ist die Veränderung bei unseren Mitmenschen jedes Jahr aufs Neue frappierend und sympathisch zugleich“, umschreibt Bebban Stenborg die verschiedenen Facetten.

Beschäftigt man sich als Hörer mit Optica, dann ist die erste Assoziation allerdings nicht Licht, sondern: Selbstvertrauen. Die Shout Out Louds haben das Album diesmal selbst produziert und dabei viel experimentiert. „Wir suchten nie nach einem klar und deutlich vor uns liegenden Weg, sondern verließen uns darauf, dass der richtige Weg nicht unbedingt rational oder vernünftig sein musste“, erinnert sich Stenborg an den Aufnahmeprozess. So viel Offenheit und Spontaneität erfordert eine Menge Mut – und das Wissen um die eigene Stärke.

Vielen der Stücke hört man diese Mentalität an, denn sie haben Spaß daran, ungewöhnlich zu sein, ohne gleich sperrig zu werden: Burn verzichtet bis zur zweiten Stophe auf ein Schlagzeug, gönnt sich dafür aber ein ultraverzerrtes Gitarrensolo. Am Ende des von Synthesizern dominierten Glasgow wird drei Minuten lang instrumental musiziert. In Destroy dauert es zwei Minuten, bis der Gesang einsetzt. Blue Ice ist (vor allem für eine Vorab-Single, und erst recht für eine, die zuerst als Platte aus Eis erschienen ist) erstaunlich dezent. Womöglich wird hier die Geschichte vom Auseinanderleben eines Pärchens erzählt, und der Sound dazu ist so lässig wie bei Laid Back oder den Dire Straits.

Vielleicht am besten zeigt 14th of July, wie souverän die Shout Out Louds mittlerweile mit ihrem Talent umgehen. Der Track ist eingängig und peppig, wie man das seit zehn Jahren bei den Schweden liebt. Aber niemals heischt der Track nach Beifall, niemals wird er zu offensichtlich – weil er um seine eigene Qualität und deren subtile Wirkungsmacht weiß. Ähnliches gilt für Chasing The Sinking Sun, das ebenfalls viel Hitpotenzial hat, und doch wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt.

Illusions ist wunderbar beseelt (und hat einen tollen Bass zu bieten). Circles wartet mit einer Smiths-Gitarre auf (nicht der einzige Moment auf Optica, in dem eine neu entdeckte Vorliebe für die Achtziger deutlich wird). Hermila (in dem Bebban Stenborg die Leadstimme übernimmt) ist elektronisch geprägt. Das wunderbare Walking In Your Footsteps ist unsagbar elegant, erhebend und elaboriert. Überall sorgen perfekt durchdachte Details wie Kuhglocken, Flöten oder Hintergrundstimmen dafür, aus diesen Liedern etwas Besonderes zu machen.

„Wir haben uns richtig viel Zeit gelassen und wirklich intensiv an der Platte gearbeitet. Wir haben alle Fehler schon gemacht und sie dann ausgebessert. Das alles hat zwei Jahre lang gedauert, aber jetzt sind wir sehr glücklich mit dem Ergebnis“, hat mir Bebban Stenborg im Interview verraten und stolz angefügt: „Es ist wirklich das erste Mal, dass ich nicht im Nachhinein noch etwas verbessern möchte.“

Übrigens wurde Optica – trotz der Licht-Thematik – in einem stockdunklen Keller in Stockholm aufgenommen. Die Keyboarderin sieht darin aber nicht unbedingt einen Widerspruch: „Manchmal muss etwas erst weg sein, damit man erkennt, wie wichtig es ist. Genau das ist in diesem Keller passiert. Es gab keine Fenster, man konnte nicht einmal sehen, was draußen für eine Jahreszeit ist. Das Licht erfüllte deshalb unsere Gedanken – weil es im Studio fehlte.“ Diese Erfahrung hat sich offensichtlich ausgezahlt, denn Tracks wie der Opener Sugars strahlen viel Wärme aus, aber auch Sehnsucht. Es ist ein sonniger Track mit feinem Refrain, der am Schluss mit Streichern und Bläsern richtig großspurig daherkommt, ohne aber überkandidelt zu werden. Und er enthält die zwei Zeilen, die Optica wohl am besten auf den Punkt bringen: „I have been trembling in the dark too long / and now I know what I’ve been searching for.“

Achja: Kometen sind auch ein wichtiges Thema auf Optica, wie das Video von Blue Ice beweist:

Homepage der Shout Out Louds.

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