Hingehört: Spitting Off Tall Buildings – „Spitting Off Tall Buildings“ 1


Spitting Off Tall Buildings lassen fast vermuten, dass Deutschland den Hedonismus entdeckt hat.

Künstler Spitting Off Tall Buildings
Album Spitting Off Tall Buildings
Label Rough Trade
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ***

Singende Schauspieler? Schlimme Erinnerungen hat man da: Bruce Willis, Russell Crowe, Don Johnson. Hier zu Lande noch übler: Uwe Ochsenknecht oder die versammelten GZSZ-Sternchen von Elsholz bis Biedermann.

Spitting Off Tall Buildings leben seit vier Jahren mit solchen Assoziationen. Denn wenn man bisher überhaupt etwas von dem Quintett kannte, dann war es das Gesicht der Sängerin. Jana Pallaske spielte in Kinofilmen wie Was nützt die Liebe in Gedanken oder einem Aids-Aufklärungsspot mit – ihr Herz gehört aber schon immer der Musik. „Ich habe mich nie darum gerissen, Schauspielerin zu sein. Schauspielerei ist eine sehr passive Angelegenheit“, sagt sie. Und mit Passivität haben Spitting Off Tall Buildings wirklich nichts am Hut.

Daran lässt ihr Debütalbum Spitting Off Tall Buildings keinen Zweifel. Die Scheibe ist wild und vulgär, rotzfrech und energetisch, ein Wirbelwind und eine Attacke. Nichts klingt hier verkrampft, provinziell oder schlecht abgekupfert.

Das kommt nicht von ungefähr. Denn neben den Talenten von Jana als Sängerin (ihr Tonfall wechselt schneller von Schmuse- zu Raubkatze, als man „Miau“ sagen kann) und ihrem Freund Paul (der Gitarre spielt und sich packende Wortgefechte mit Jana liefert) haben auch zwei Spitzenleute an den Reglern ihren Teil zu diesem Heidenspaß beigetragen: Raphael Gordon, der für den rechten Klang der Stimmen sorgte, zählt auch die Strokes zu seinen Kunden. Der Mix kommt von Michael Ilbert, am bekanntesten für seine Zusammenarbeit mit den Hives.

Damit sind die Referenzen genannt: Dies hier ist Punkrock. Frei von Klischees, ohne ideologische Schranken und völlig eigenständig. Fuck Ups ist gleichzeitig eingängig und kratzbürstig, Questions & Answers dürfte sich live zu einem Orkan entwickeln, das famose This Boy ist sogar besser als der gleichnamige Beatles-Song.

Die Slogans heißen Come On, Gotta Hey, In Love & Rockin oder Something New. Gefeiert wird das Leben, die Party, die Jugend. Damit natürlich auch: das Leiden, der Kater, das Wissen um die Vergänglichkeit des Moments.

So erklärt sich dann auch der Bandname. Die Sache mit dem Herunterspucken von hohen Häusern hat laut Jana etwas mit „Wind im Gesicht, mit Freiheit, Weite und Luft“ zu tun. Hedonismus heißt das. Und noch nie klang Hedonismus bei einer deutschen Band so ansteckend, so überzeugend – und so wenig geschauspielert.

Ein bisschen geschauspielert wird dann doch noch, nämlich im Clip zu Fuck Ups:

Spitting Off Tall Buildings bei MySpace.


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