Hingehört: Sportfreunde Stiller – „La Bum“ 3


Statt sich Gedanken machen die Sportfreunde Stiller auf „La Bum“ einfach weiter.

Künstler Sportfreunde Stiller
Album La Bum
Label Universal
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***1/2

Wenn die Nacht sich dem Ende neigt, dann trifft man ständig und überall Leute, die sich damit brüsten, „die Sportis zu kennen, noch von früher“. Erstaunlicherweise trifft man nie frühe Wegbegleiter der Beatsteaks oder von Wir Sind Helden, obwohl diese Bands ungefähr denselben Status haben.

Es ist auch nicht schwer zu erklären, woran das liegt: Erstens verlassen die Münchner in Scharen und zu Recht ihre Stadt. Und zweitens sind die Sportfreunde Stiller der Inbegriff der Bodenständigkeit. Sie wissen, dass sie keine Rockstars geworden sind, weil sie schon immer dazu auserkorene Genies und Ausnahmetalente waren, sondern weil sie Glück gehabt haben.

Mit klaren Worten erzählen sie vom Leben, das nicht nur ihres ist, sondern auch das ihrer Fans. Es geht hier nicht darum, sich abzugrenzen, sondern möglichst viele einzuschließen und mitzunehmen, solange es um die gute Sache geht. Nichts ist hier ausgefeilt, verklausuliert oder zynisch. Die Sportfreunde Stiller sind die Anti-Tocotronic.

Deshalb machen sie sich auch keine Gedanken, sondern sie machen einfach weiter. Trotz des WM-Sommermärchens und dem dazugehörigen Nummer-1-Hit ist La Bum einfach ein weiteres Sportfreunde-Album. 54, 74, 90, 2006 spielt das Trio auch bei Konzerten nicht mehr und Fußball kommt auf dieser Platte nirgends vor. Nur Ping-Pong (im bezaubernden In unmittelbarer Ferne) und Surfen (in 995er Tief über Island, das so etwas wie ihr persönliches Westerland ist).

Es gibt unwiderstehlich heitere Hits wie die Single Alles Roger. Es gibt diese Liebeslieder wie Ohne Liebe bliebe nichts, die eigentlich etwas plump sind, aber plötzlich völlig unpeinlich klingen, sobald man selbst verliebt ist. Es gibt Hymnen wie Mo(nu)ment, wo womöglich der eigene Auftritt auf der Fanmeile verewigt wird. Und Kracher wie Sodom mit so viel Energie und Leichtigkeit, wie man es sonst nur von Newcomer-Bands kennt.

Im Prinzip ist bei Peter, Flo und Rüde alles so wie immer. Fast. „Wir haben mehr auf die Feinheiten geachtet“, sagt Schlagzeuger Flo, und das hat ihrem Sound durchaus gut getan. Das elektronisch angehauchte, grandiose Eine gute Nacht dürfte sogar dem Major Tom feuchte Augen machen. Und der zunächst akustische Rausschmeißer Legenden ist einer der Songs, die mit einem Bier in der Hand und ein paar Tausend (Sport)Freunden um einen herum unvergesslich werden können.

„Ich liebe mein Leben, so ist es eben“, singen sie an einer Stelle. Und was soll man auch sonst tun? Nicht wahr, Tocotronic?

Einfach mal machen war offenbar auch das Konzept beim extrem charmanten Video von Alles Roger:

Die Sportfreunde Stiller bei MySpace.


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