Hingehört: The Airborne Toxic Event – „All At Once“


Alles, was an Rock gerade angesagt ist, bietet "All At Once".

Alles, was an Rock gerade angesagt ist, bietet „All At Once“.

Künstler The Airborne Toxic Event
Album All At Once
Label Island
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

All At Once – einen passenderen Titel könnte es kaum geben für das zweite Album von The Airborne Toxic Event. Denn alles auf einmal, alles ganz plötzlich – das umschreibt ganz gut die bisherige Karriere des Quintetts aus Los Angeles.

Der Nukleus für die Entstehung der Band war eine Serie von Schicksalsschlägen, die Sänger Mikel Jollett widerfuhr und die er verarbeitete, indem er Songs komponierte (zuvor hatte er sich eher dem Schreiben gewidmet). Als er dann seine Mitstreiter zusammen hatte (Jolletts Prägung durch die Literatur kommt noch im Bandnamen The Airborne Toxic Event zum Ausdruck, der einem Roman von Don DeLillo entnommen ist), startete die Band sofort durch. Lieder von The Airborne Toxic Event wurden im Radio gespielt, bevor sie überhaupt offiziell veröffentlicht waren. Ihr 2008 veröffentlichtes Debütalbum kürte der Boston Herald zum besten Erstlingswerk des Jahres. Und die Single Sometime Around Midnight wurde bei iTunes zum Alternative Song Of The Year.

Die Begeisterung ist nicht schwer nachzuvollziehen: The Airborne Toxic Event schaffen es auch auf All At Once, Indie-Geist mit beinahe orchestraler Grandezza zu vereinen. Vor allem aber bieten sie alles auf einmal, was in puncto Rockmusik gerade en vogue ist. Mitunter klingt All At Once wie ein Sampler, der alle gerade angesagten Radiorockgrößen versammelt.

Man kann daraus einen Vorwurf konstruieren. Gerade, weil es so perfekt in der Ausführung ist, wirkt All At Once manchmal ein bisschen kalkuliert. Zudem ist das Grundgerüst hier zwar klassisch, die Facetten sind aber so vielseitig, dass so etwas wie eine Identität von The Airborne Toxic Event darin tatsächlich schwer auszumachen ist. Blendet man dieses Phänomen aus, kann man aber auch ganz gemütlich einfach die Songs bestaunen.

Der Titelsong zum Beginn baut nicht nur Spannung auf, sondern gleich ganz großes Theater, das an den White Lies geschult zu sein scheint und auch eine Prise Arcade Fire beinhaltet. Die Single Numb (keine Coverversion, aber U2 sind bekennende Fans von The Airborne Toxic Event) oder die Ballade Half Of Something Else sind ebenso fein austariert und profitieren im Refrain von der enormen Leidenschaft, die Jollett in seine Stimme zu packen vermag.

Changing erinnert an die besten Momente von The Blood Arm, mit All For A Woman zeigen The Airborne Toxic Event, dass sie genauso pathetisch sein können wie die Courteeners, mit It Doesn’t Mean A Thing, dass sie auch das Rabaukige der Arctic Monkeys drauf haben.

Welcome To Your Wedding Day lässt Green Day und die Killers aufeinander prallen. Strange Girl hätte die Wombats glücklich machen können und zeigt, dass Produzent Dave Sardy, der zuletzt alles, was er in die Finger bekam (inklusive Oasis) mit einer unerträglichen Nostalgie-Suppe überzogen hat, auch noch zu ein bisschen Frische imstande ist. All I Ever Wanted erinnert an Maximo Park, der akustische Rausschmeißer The Graveyard Near The House hat bei Hey There Delilah ganz genau hingehört.

Einen einzigen Moment gibt es, in dem All At Once peinlich wird. The Kids Are Ready To Die ist dieser Moment, mit Textzeilen wie „Punks like us were always receiving instruction“ soll es wohl eine Hymne in der Liga von Teenage Kicks sein, doch es klingt so hoffnungslos übertrieben, dass man eher vermutet, die Toten Hosen seien plötzlich nach Kalifornien ausgewandert.

Ansonsten ist All At Once freilich mehr als gelungen. Manch einer wird die Nase rümpfen, aber es ist kein Problem, wenn man trendy ist und in die Charts kommen will – solange man derart gute Songs hat.

Stromausfall: The Airborne Toxic Event spielen die Single Numb streng akustisch:

The Airborne Toxic Event bei MySpace.

 

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