Hingehört: The Animals – „Good Times“ 1


„Good Times“ ist so etwas wie Etikettenschwindel der besseren Sorte.

Künstler Eric Burdon & The Animals
Album Good Times
Label Polystar
Erscheinungsjahr 1990
Bewertung ****

Zur Zeit gibt es in Deutschland knapp über 100 Tonträger zu kaufen, auf denen man House Of The Rising Sun hören kann. Von den Walkabouts, Nina Simone oder Jimi Hendrix, auch von Udo Jürgens, Ricky King und Vicky Leandros. Die definitive Version des Traditionals haben aber zweifellos die Animals abgeliefert. Denkt man an diesen Klassiker, hat man das Arrangement von Mickie Most, die Orgel von Alan Price und natürlich die Stimme von Eric Burdon im Ohr.

Dass der Song auch auf dieser Platte den Auftakt macht, überrascht allerdings. Denn als „Eric Burdon & the Animals“ brachte die schwärzeste Stimme Englands erst ab 1967 Platten heraus, lange nach dem ersten großen Erfolg – und lange, nachdem sie sich mit den Original-Animals überworfen hatte. Dass deren Hits, von jenem House Of The Rising Sun über Don’t Let Me Be Misunderstood bis zu We’ve Gotta Get Out Of This Place und It’s My Life, allesamt auch auf diesem Sampler enthalten sind, ist Etikettenschwindel der besseren Sorte.

An diese Erfolge konnte Eric Burdon nach dem Umzug nach Kalifornien, reichlich LSD-Konsum und kurzen Soloplänen nicht mehr ganz anknüpfen. Doch als „Eric Burdon & The Animals“ hatte er mit neuer Begleitband doch einige beachtliche Hits. Musikalisch hatte er sich im Vergleich zum rauhen R&B-Sound der frühen Tage an der amerikanischen Westküste von sanfteren, vor allem psychedelischen Klängen inspirieren lassen.

Schon das famose Good Times legt davon Zeugnis ab. Ein zartes Intro, die etwas stolpernde Melodie, eine Western-Bar-Piano-Einlage, dazu der herrlich nostalgische Text: When I think of all the good times that I’ve wasted / having good times. Auch When I Was Young, blickt zurück, bereut aber nichts. Von Anfang an strotzt der Song vor Energie, setzt aber auf Dramaturgie statt Kraftmeierei.

San Francisco Nights gibt im Intro erst einmal eine Gebrauchsanweisung, wie man das Stück zu verstehen hat. Dabei liegt es auf der Hand: Old child, young child, feel alright / on a warm San Francisco night. Optimismus ist angesagt, natürlich aus dem Jahr 1967. Die Gitarre klingt ein wenig nach Balkan und beweist die neue Experimentierfreude bei Eric Burdon (die nicht immer nur überzeugende Früchte trug, wie das Cover von Ring Of Fire zeigt). Winds Of Change setzt auf eine Mixtur aus mittelalterlichen und orientalischen Sounds, überlagert von etwas abwesendem Sprechgesang. Hätte den Doors nicht schlecht zu Gesicht gestanden.

Sky Pilot treibt das Ganze dann in knapp siebeneinhalb Minuten auf die Spitze. Flanger auf dem Schlagzeug, der Bass stoisch, der Gesang längst entschwebt: How high can you fly? / you’ll never reach the sky. Dann lärmt es, sind plötzlich Dudelsäcke zu hören, schließlich kehrt der Song wie unvermittelt zurück, in ganz neuem Gewand, gekleidet in Streicher, Flöten und Trompeten.

Dass Eric Burdon auch weiterhin ein ausgezeichneter Interpret von Fremdmaterial war, beweisen seine Versionen von Paint It Black (das sich hier ganz langsam aus dem Schlamm hervorwühlt, energisch den Dreck von sich schüttelt, dann ob der eigenen Nacktheit erschrocken zu sein scheint, schließlich aber doch alle Schüchternheit ablegt) und River Deep, Mountain High, das sofort Fahrt aufnimmt und durch die verzerrte Orgel und die sehr feinfühlige Gitarrenarbeit gewinnt.

Über all dem thront noch immer seine Stimme – nicht klassisch gut, aber facettenreich in der Phrasierung und immer aus tiefster Seele. „Rarely, if ever, has the United Kingdom produced a white guy who could sing the blues like Eric Burdon“, meint die Great Rock Discography. Nicht zu Unrecht.

So sah 1967 aus: Eine Performance von When I Was Young aus dem US-Fernsehen:

Eric Burdon bei MySpace.


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