Hingehört: The Beatles – „Please Please Me“ 2


"Please Please Me" ist der Beginn einer Weltherrschaft.

Künstler The Beatles
Album Please Please Me
Label EMI
Erscheinungsjahr 1963
Bewertung ***1/2

Jedes Land hat seine Volkslieder. Uralte Stücke, die jedes Kind kennt, meist mit schlichtem Text und perfekter Melodie. Es gibt aber auch Volkslieder, die in jedem Land der Erde bekannt sind. Sie heißen Let It Be oder Help!, Love Me Do oder Yesterday. So viel zum Stellenwert der Beatles, deren ausnahmslose Karriere mit diesem Album begann. Im Oktober 1962 erschien Love Me Do, die erste Single, und trat eine Lawine los. Schon vier Monate später war der Nachfolger Please Please Me Nummer 1 in England. Danach waren die Beatles knapp zehn Jahre lang die wichtigsten Menschen auf diesem Planeten.

Dies waren sie allerdings lange Zeit vor allem wegen ihrer 45er. Das Albumformat wurde von den Fab Four erst ab Rubber Soul ernstgenommen und in seinen Möglichkeiten genutzt. Alle Lonplayer davor waren Singles-Sammlungen mit Coverversionen und Füllstücken, wie damals üblich.

Denn – und das ist fast schon beruhigend – auch die Beatles waren nur Menschen. Längst nicht alles, was aus Liverpool kam, war hochklassig. Ask Me Why oder P.S. I Love You sind banal-seichte Schlager. Auch Misery ist nur einen Tick besser. Fast alles hier ist in wenigen Takes und sagenhaft kurzer Zeit aufgenommen, mono natürlich. Dadurch durchaus etwas zusammengeschustert, aber auch stets hochaktuell. On fire.

Gerade einmal acht Eigenkompositionen sind auf Please Please Me zu finden, alles zusammen nur etwas mehr als eine Viertelstunde Lennon/McCartney. Beide machen auch gesanglich den Auftakt. I Saw Her Standing There brennt. Das Schlagzeug fast nur Hi-hat und Snare, klassische Rock´n Roll-Gitarre + Bass und herrlich herber Gesang. Well she was just 17 / if you know what I mean.

Please Please Me ist textlich züchtiger, musikalisch aber nur halb so harmlos. Erstmals setzen John, Paul, George und Ringo auf den auch später immer wieder gerne genommenen call-and-response-Gesang, dazu tolle Breaks und ein beinahe rockendes Finish. Vor allem wegen der Mundharmonika gerät Love Me Do faszinierend spröde. Nur zwei Akkorde für die Strophe, nur zwei Minuten für einen Klassiker.

Do You Want To Know A Secret ist die beste Komposition auf diesem Album. Toller Rhythmus, von George Harrison perfekt gesungen. Bestechend auch die Harmonies und die melodische Reife von There´s A Place.

Die Coverversionen sind entweder bestens erprobte Live-Kracher und/oder Huldigungen an die amerikanischen R´n B-Vorbilder. Das Qualitätsgefälle ist ähnlich groß wie bei den selbst geschriebenen Stücken. Herausragend die Shirelles-Nummer Baby, It´s You. John Lennons Stimme fast unschuldig, der Background ein Traum. Und natürlich die kongeniale Umsetzung von Twist And Shout. Ringo sorgt für den Twist, John definiert das Wort „shout“ neu. Klingt fast so bedrohlich, wie die Beatles damals wohl waren.

Gänsehaut: Twist And Shout, live beim legendären Gig im Shea-Stadium:

Die Beatles bei MySpace.


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