The Beta Band – „Hot Shots 2“ 6


Künstler The Beta Band

Das hässliche Cover beweist: Auf Äußerlichkeiten legt die Beta Band keinen Wert.

Album Hot Shots 2
Label Regal Recordings
Erscheinungsjahr 2001
Bewertung

Von einer Band, deren Manager Brian Cannon ist, hätte man wirklich eine hübschere Verpackung erwarten dürfen. Immerhin hat der Mann sämtliche Design-Fragen für Oasis gelöst, und zwar mit Auszeichnung. Nun ist eine seltsame Explosion auf dem Cover, mit hässlicher Rundschrift.

Aber auf Aussehen hat das Quartett ohnehin nie Wert gelegt. „An image of the countryside says more about the Beta Band than a pictue of us“, haben sie einmal ihre Aversion gegen Portraitfotos begründet. Und da ist durchaus was dran. Denn an dieser Gruppe ist wenig konventionell, an ihrer Musik ist wenig konkret. „We´re not interested in becoming pop stars. We´re just into the art of sounds.“

Diese Kunst beherrscht das Quartett auf Hot Shots II meisterhaft. Alle Platten sind rund, aber diese Platte ist runder. Schon der Opener Squares mit dem herrlich warmen Daydream-Sample bezaubert, ist schläfrig und doch funky. At Sharp singt Steve Mason in andere Sphären. Selten klang elektronische Musik so analog, so organisch wie hier. Human Being heißt passenderweise der dritte Track. Erhebend und hoffnungsvoll am Beginn, dann plötzlich mit richtigem Schlagzeug, Doors-Orgel und fast schon Rock.

Gitarren gibt es auch in Gone. Aber hier brettern sie nicht als Akkord-Wand, sondern springen in einzelnen Tönen um den trägen Gesang herum, links und rechts, als ob sie ihn necken wollten. Doch der lässt sich nicht aus seiner Melancholie locken. Dragon ist der bis dahin vielleicht tanzbarste Song auf der Platte. Nach einem lichtdurchfluteten Intro setzen Bass und Schlagzeug ein, ungewohnt, weil unsynchron, aber gerade dadurch so wirkungsvoll. „Groove and funk are what it´s all about, not formulaic dance music“, heißt schließlich die Arbeitsmethode der Beta Band. Dass sie dennoch nicht das Prinzip Pop verfluchen und dass ihnen dennoch auch ein Track gelingen kann, der „Singlehit!“ zumindest flüstert, beweist Broke, wieder mit Handclaps, Spieluhr und minimalistischem Bass.

Diese Vielseitigkeit macht es schwer, die Gruppe in einem Genre zu verorten. Die Beta Band ist Moody Blues, Blur zur 13-Zeit und eine Garagenband, und zwar alles innerhalb eines Songs (Quiet). Dennoch kann man ihre Lieder auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Maschinen zum Kuscheln. Das grandiose Alleged ist genau ausgedacht, man könnte es rein intellektuell bewundern als reife Leistung des Songkonstruierens. Aber es wärmt so sehr das Herz, dass man dazu gar nicht kommt.

In Elipse erklärt uns die Beta Band dann gleich noch, wie die Welt funktioniert: „The people with the questions ask the people with the answers / but the people with the answers won´t tell the people with the questions the answers.“ Dazu kann man wunderbar staunen, träumen oder tanzen. Wie sagen sie doch so schön: „It´s rhythms, it may not make you want to grin and take your shirt off. It may make you want to crawl around like a bug, but it will make you move.“

Schräg, maschinell und warm ist auch das Video zu Broke:

Die Beta Band bei MySpace.