The Cast Of Cheers – „Family“


Künstler The Cast Of Cheers

Innovativ und komplex, trotzdem rund und packend - so klingen The Cast Of Cheers auf ihrem Debüt.

Innovativ und komplex, trotzdem rund und packend – so klingen The Cast Of Cheers auf ihrem Debüt.

Album Family
Label School Boy Error
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

Der gemeine Indie-Fan mag es ja gerne exklusiv. Eine Band als erstes entdecken, ganz für sich haben oder wenigstens mit dem Japan-Import protzen können, den sonst keiner auftreiben kann – darum geht es. Trotzdem gibt es erstaunlich viele Sampler, die Indie als ein Rundum-Glücklich-Paket aus dem Ramschladen anbieten wollen.

Das Boxset 100 Indie Hits beispielsweise umfasst fünf CDs, Gossip sind ebenso dabei wie The Hives oder die Libertines. Best Of Indie Anthems…Ever begnügt sich mit einer Doppel-CD und bietet beispielsweise Oasis, die Stone Roses und David Bowie. Die obskure Reihe Rocked Out – The Best Indie And Alternative Rock bringt es immerhin schon auf neun Auflagen, der aktuelle Tonträger versucht (wie alle Folgen zuvor), seltsame Interpreten wie Noah Silver oder Gene’s Lament an den Mann zu bringen.

The Cast Of Cheers machen all diese Platten überflüssig. Das Quartett aus Irland hat mit Family einfach ein Debütalbum aufgenommen (wenn man Chariot nicht gelten lässt, das sie innerhalb von drei Tagen in Eigenregie produziert und dann bei Bandcamp verschenkt haben), das problemlos seinerseits als Best Of Indie-Sampler gelten kann. Denn die Platte vereint quasi alles, was derzeit spannend, liebenswert und attraktiv an diesem Genre ist.

Die Vorab-Single Family steht ganz am Anfang und weist, wie sich das für einen Titeltrack gehört, den Weg: hektisch, komplex und tanzbar ist dieser Song wie die guten Momente von Klaxons oder Foals. Das folgende Pose Mit wird zackig, flirrend und wild pulsierend, die Gitarre lässt sich gleich anstecken von dieser blendenden Laune und spielt die Gesangsmelodie mit.

Animals, ebenfalls schon als Single bekannt, ist genauso großartig. Am Anfang wird viel Spannung aufgebaut, alles ist kompliziert und innovativ, trotzdem packend und rund. „We are animals, don’t you know“, singt Conor Adams – und man ist da längst überzeugt, dass es sich bei Cast Of Cheers um verdammt hoch entwickelte Tiere handeln muss, mindestens um Delfine.

Palace And Run ist toll gesungen wie eine Ballade von Kele Okereke, durch Go Getter tänzelt die Gitarre wie bei den Good Shoes, Marso Sava bietet einen exotischen Beat à la Vampire Weekend. Der Rausschmeißer They Call It A Race ist eine höchst gekonnte Komposition, mit dem genau richtigen Mix aus Leidenschaft und Kontrolle (und einer Kuhglocke), wie ihn The Rakes einst beherrscht haben.

Mit Goose beweisen The Cast Of Cheers, dass sie auch heavy und funky sein können. Trucks At Night ist eines von mehreren Liedern auf Family, die nach drei Schlagzeugen gleichzeitig klingen. Der Start ist Vollgas, der Beat ist mächtig und der Song insgesamt so forsch, dass er am Ende fast ins Straucheln zu kommen scheint.

Family strotzt vor Energie, verpackt in wunderbare, mitreißende 4-Minuten-Portionen. The Cast Of Cheers sind der lebende Beweis dafür, was man mit einer großen Liebe für Gitarren, einer großen Liebe für Rhythmus und einer anständigen Portion Hirn alles anstellen kann.

Das Video zu Animals beweist: The Cast Of Cheers sind gerne im Fernsehen:

The Cast Of Cheers bei Facebook.

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