The Cure – „Galore“ 11


Künstler The Cure

„Galore“ versammelt das Beste von The Cure.

Album Galore
Label Fiction
Erscheinungsjahr 1997
Bewertung

Auf dem Cover von Galore ist ein kleiner Junge abgebildet. Er hat einen Hut auf und Windeln an, sitzt auf einer roten Decke am Strand. Er lacht nicht, aber er sieht auch nicht gerade unglücklich aus. Immerhin hat er ein Eis in der Hand und einen verschmierten Mund. Im Innenteil der CD dann liegt das Eis auf dem Boden, die Waffel zerschmettert, ihr Inhalt in Klecksen und Spritzern über den Sand verschmiert.

So ähnlich funktioniert die Musik von The Cure. Mitreißende Pop-Rhythmen mit feinsten Kinderliedmelodien, aber Texte voller Angst, Verzweiflung und Depression. Ende der 1970er Jahre haben sie sich gegründet. Sänger Robert Smith hatte schnell seinen Ruf als düsterer Miesepeter weg. „Manche Leute machen aus Elend einen Beruf“, lästerte der NME einmal. Spätestens seit dem Kiss Me Kiss Me Kiss Me-Album kam allerdings etwas mehr Licht in den Sound von The Cure.

Galore – The Singles 1987 – 1997 widmet sich dieser Phase. Gleich der Opener Why Can´t I Be You? ist musikalisch nicht weit weg von den Stock-Aitken-Waterman-Stücken aus dieser Zeit: hektischer 2/4-Takt, Keyboard-Bläser, synthetischer Bass. Diese Ironie, die ja auch spätere Hits wie Friday I´m In Love auszeichnet, ist die zweitgrößte Stärke von The Cure. Ihre größte Stärke ist das Schaffen von Stimmungen.

Catch wird unnachahmlich verschlafen, die Gitarrenpopseligkeit von Just Like Heaven haben auch die Smiths nie besser hinbekommen, einen so ausgelassenen Groove wie den von Hot Hot Hot!!! hätten sicher auch die B-52´s nicht verachtet. Glanzstück und bester Beweis für ihre Fähigkeit zum Erzeugen von Atmosphären ist Lullaby. Der beinahe-Marsch-Rhythmus, die fast unvernehmbare zweite Psycho-Stimme, das monotone Gitarren-Stakkato und natürlich die Grusel-Streicher: gespenstisch gut.

Dieser Bedrohlichkeit kommt Close To Me am nächsten. Ein HipHop-Beat, die typische Cure-Orgel und Robert Smiths seltsamer Tenor schleichen sich verdächtig heran, doch die Flöten und Bläser nehmen ihnen nach und nach die Gefährlichkeit.

Dass Robert Smith nicht nur ein feiner Songschreiber, sondern auch ein verdammt guter Texter ist, macht etwa Lovesong klar. Ganz wenige, einfache Zeilen und eine tieftraurige Orgel reichen aus, um die ganze Kraft der Liebe (und die Sinnlosigkeit des Ankämpfens gegen sie) zu vermitteln. Weiße Schminke und schwarze Klamotten haben oft dazu geführt, dass Smith als Grufti missverstanden wurde. In Wirklichkeit ist er nur ein Romantiker. „I´ve been looking so long at these pictues of you / that I almost believe that they´re real“, lautet der rührende Auftakt zum herzzerreißenden Pictures Of You.

Deshalb sind The Cure auch keine Grufti-Gruppe. Denn selbst in ihrer Frühphase wohnte den düsteren Stücken stets etwas inne, was es bei den Todesverehrern nicht gibt: Optimismus. Schließlich nannte sich die Band nicht umsonst „The Cure“. Ihre Songs sind so schizophren wie das Leben, und in ihren besten Momenten sind sie tatsächlich ein Heilmittel gegen das Leiden an der Welt.

Gespenstisch gut: Der grandiose Clip zu Lullaby:

The Cure bei MySpace.