Hingehört: The Helio Sequence – „Negotiations“


Unverkopft, warum und tief klingen The Helio Sequence auf "Negotiations".

Unverkopft, warum und tief klingen The Helio Sequence auf „Negotiations“.

Künstler The Helio Sequence
Album Negotiations
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Sandy lässt in diesen Tagen zwar etwas anderes vermuten, aber manchmal hat der Klimawandel auch seine guten Seiten. Als Portland, die gar nicht so heimliche Indie-Hauptstadt der USA, im Jahr 2009 nach heftigen Regenfällen von einer Flut heimgesucht wurde, stand auch das Tonstudio von The Helio Sequence unter Wasser. Das Duo war zwar gerade auf Tour und hatte die wichtigsten Teile seiner Ausrüstung deshalb bei sich. Für die Aufnahmen des fünften Albums Negotiations brauchten Sänger/Gitarrist Brandon Summers und Keyboarder/Schlagzeuger Benjamin Weikel trotzdem einen neuen Ort.

Im Old Jantzen Building ihrer Heimatstadt, einer ehemaligen Cafeteria, wurde die Band fündig. Die neue Umgebung hat den Sound der Platte deutlich geprägt. Oberflächlich betrachtet ist dafür das neue Equipment (genauer gesagt: alte, analoge Geräte) verantwortlich, das The Helio Sequence anschaffen konnten, weil sie jetzt plötzlich 150 Quadratmeter Platz hatten. Das erweiterte Instrumentarium sorgt dafür, dass Negotiations sagenhaft warm, groß und tief klingt. Mumm-Ra, die Lionheart Brothers oder auch Bright Eyes können da als Bezugspunkte gelten.

Beim genaueren Hören zeigt sich, dass sich aber auch die Arbeitsweise des Duos verändert hat, das seit 1996 zusammenarbeitet. Selten klangen The Helio Sequence so entspannt und unverkopft wie hier. One More Time wird zum Auftakt um einen Drumloop herum aufgebaut, setzt auf viel Hall und noch mehr Entspanntheit. Auch in Downward Spiral gibt das Schlagzeug den Ton an. Silence On Silence ist gegen Ende herrlich organisch und kreiert eine wunderbare Atmosphäre, danach klingt December noch mehr wie ein Lied, das vollständig aus sich selbst erwachsen ist, nicht elaboriert, aber trotzdem klasse.

Das aufmunternde October hat einen tollen Refrain zu bieten und einen fast erstaunlich muskulösen Bass, als würden The Shins eine ziemlich bedrohliche Regenfront aufziehen sehen. Am Ende von Hall Of Mirrors bricht sich eine beeindruckende Gitarrenwucht Bahn, Harvester Of Souls wird eine Ballade mit (sehr passend bei diesem Titel) gespenstischen Synthies im Hintergrund. Am Ende wird es mit Negotiations vollends melancholisch, sphärisch und hymnisch.

In den Texten geht es um Verlust, Angst, Hoffnung. Am besten gelingt in dieser Hinsicht, unter vielen guten Liedern, die Ballade The Measure. Die Musik klingt, als wäre die Beta Band in einen Gitarrenladen eingebrochen. Die Worte dazu machen klar, dass es keinen Sinn macht, die verschiedenen Arten von Verlorensein auszudefinieren, wenn man schlicht und einfach gottverlassen einsam ist. Bei solchen Texten, solcher Musik (und zwei Songs, die nach Monaten am Ende des Jahres benannt sind), darf man trotz aller klimawandelbedingten Unberechenbarkeit gewiss sein: Der Herbst kann kommen.

The Helio Sequence spielen October live:

Homepage von The Helio Sequence.

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