Hingehört: The Killers – „Battle Born“ 1


Die Killers spielen die Killers - das ist das Prinzip von "Battle Born".

Die Killers spielen die Killers – das ist das Prinzip von „Battle Born“.

Künstler The Killers
Album Battle Born
Label Island
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung **1/2

Battle Born – geboren in der Schlacht. Wer aus diesem Titel schließt, dass bei den Aufnahmen zum vierten Killers-Album so richtig die Fetzen flogen, liegt falsch. Nach Day & Age (2008) und der längeren Pause, die drei Viertel der Band für eigene Projekte nutzten, kamen die Killers zwar zunächst etwas schwer in Gang. Aber nach allem, was man hört, liefen die Sessions dann recht harmonisch.

Battle Born steht vielmehr für etwas anderes. Die zwei Wörter zieren die Fahne von Nevada, der Heimat der Killers, und sie erinnern daran, dass der Bundesstaat 1864 auf den Trümmern des amerikanischen Bürgerkriegs gegründet wurde.

Ihr eigenes Studio in Las Vegas haben die Killers ebenfalls „Battle Born“ genannt, und dass nun auch das dort entstandene Album diesen Titel trägt, kann nur eins bedeuten: Die Killers wissen, wo sie herkommen, und sie sehen (mittlerweile) keinen Grund mehr, sich dafür zu entschuldigen. Das ist nicht nur geografisch gemeint, sondern auch musikalisch. Die eigene Geschichte, die Irrungen und Wirrungen, die Täler und Triumphe haben das Ego dieser Band geprägt und gefestigt. „Man hört einfach, dass wir uns heute sehr viel wohler fühlen mit dem, was wir sind – ja, dass wir inzwischen sogar stolz sind auf das, was wir sind“, sagt Sänger Brandon Flowers.

Das Prinzip von Battle Born sollte deshalb sein: Hier gibt es The Killers pur, also Brandon Flowers, Dave Keuning, Mark Stoermer und Ronnie Vannucci bei dem, was sie am besten können. Große Gefühle, große Show, große Gesten, große Refrains. Las Vegas eben. Die Fans lieben das: In England erreichte die Platte (wie alle Killers-Alben) die Spitze der Charts, in Deutschland gab es Platz 2 für Battle Born, in den USA immerhin Platz 3.

Als Prototyp für das Album kann die erste Single gelten, Runaways. Die ersten Ideen für den Song trugen die Killers schon eine ganze Weile mit sich herum, aber sie wussten „nie so recht, wo wir dieses Stück unterbringen sollten. Auf Day & Age haben wir schließlich eher versucht, unsere poppige Seite nach außen zu kehren – doch Runaways ist nun mal Roots-Rock, durch und durch amerikanisch, und das passte so nun mal nicht zusammen“, sagt Brandon Flowers. „Trotzdem war mir die ganze Zeit klar, was für ein großer Song das war. Als es dann jedoch darum ging, dieses neue Album zu machen, waren wir uns sofort darüber einig, dass wir ausnahmslos nur das machen wollten, was wir richtig gut können: The Killers schreiben nun mal eine gewisse Art von Song – und daran sollte sich auch nichts ändern. Insofern war Runaways eine Art Startschuss für den neuen Longplayer.“ Und der klingt jetzt tatsächlich sagenhaft amerikanisch und mega-dramatisch. Die Strophe ist Bruce Springsteen, der Refrain ist Meat Loaf – es gibt nur eine Band, die sich an diese Kombination wagt, ohne mit der Wimper zu zucken: die Killers.

Auch der Opener Flesh And Bone strotzt vor Ambitionen, mit Eighties-Sound (eher Erasure als die Pet Shop Boys) und großem Coldplay-Finale. Die Theatralik von The Way It Was erreicht beinahe Musical-Dimensionen. Ganz am Schluss erklingen im Titelsong ein Monsterschlagzeug, reichlich Computergeigen und ein Neonlichtgitarrenriff, wie das Bon Jovi auch nicht schamloser kombinieren könnten. Der Ballade Here With Me gelingt eine tolle Balance aus Plastik und Herzblut, wie das früher auch Suede hinbekommen haben. A Matter Of Time könnte nicht einmal dann bombastischer sein, wenn irgendwo in den Songwriting-Credits der Name Roland Emmerich auftauchen würde.

Wirklich alles auf Battle Born ist im roten Bereich, wird bis zum letzten ausgereizt und nicht selten auch überzeichnet. Das verleiht dem Album einen erstaunlich einheitlichen Sound, denn die Arbeit an der Platte war weitgehend Stückwerk für The Killers. Die Band hätte gerne mit einem festen Produzenten gearbeitet, aber Terminprobleme ihrer Wunschkandidaten ließen das nicht zu. Deshalb sind nun insgesamt fünf Produzenten vereint (zum Beispiel drei Tracks von Brendan O’Brien und zwei von Stuart Price). Diese Notlösung habe der Band aber „gezeigt, dass The Killers eine ganz spezifische Herangehensweise verfolgen, einen ganz eigenen Ansatz als Songwriter. Immerhin waren wir mit fünf verschiedenen Produzenten im Studio, und trotzdem klingt das Resultat durch und durch nach uns“, stellt Schlagzeuger Ronnie Vannucci im Rückblick ganz zutreffend fest.

Daniel Lanois, einer aus der illustren Fünfer-Riege, griff sogar selbst zur Gitarre und sorgte so dafür, dass Heart Of A Girl entstand. „Wir haben das Stück komplett live in einem Take eingespielt, und doch hat es nur eine Stunde gedauert, bis alles im Kasten war: ein paar Versuche und fertig. Die Nummer aufzunehmen hat wahnsinnig viel Spaß gemacht“, sagt Ronnie Vannucci. Man hört der wunderbaren Atmosphäre des Songs diese Spontaneität an, und am Ende erwächst aus der Zurückhaltung dann eine stattliche Menge Erbauung – das kennt man auch von U2, für die Lanois ebenfalls schon am Werk war.

Auch The Rising Tide ist eher gitarrenlastig und hätte gut auf Sam’s Town gepasst. Zudem ist der Track ein gutes Beispiel für die Düsternis, die dieses Album durchzieht. „The truth’s gonna come and cut me open wide / And you can’t escape the rising of the tide”, singt Brandon Flowers hier. Auch sonst sind seine Texte diesmal oft geprägt von unsichtbaren Bedrohungen, verfallenen Kulissen und Desperados, die sich in diesen schlimmen Zeiten nur noch an sich selbst und ihresgleichen aufrichten können.

Selbst die Liebeslieder sind davon durchzogen, wie die wundervolle Ballade Be Still. „Life is short / to say the least / we’re in the belly of the beast”, heißt es da. „Wir haben noch nie so lange an einem Album gearbeitet, und ich habe auch noch nie so lange an den Texten gesessen“, sagt Brandon Flowers. Die Mühe hat sich durchaus gelohnt. Natürlich gibt es bei ihm hin und wieder Ausrutscher à la „Are we human or are we dancer?“ (Prize Fighter, einer von drei Bonustracks auf der Deluxe Edition von Battle Born ist so ein Fall), aber insgesamt sorgen die Texte dafür, all das Melodrama dieses Albums ein wenig zu erden und so etwas wie eine stimmige Atmosphäre zu schaffen.

Ein Problem hat Battle Born (neben dem hohlen und substanzlosen Deadlines And Commitments) aber doch: Es fehlt der Über-Hit. Vieles ist okay, aber wenig ist herausragend. Selbst eine zweite Single nach Runaways lässt sich schwer ausmachen. Natürlich ist da noch Miss Atomic Bomb (der Titel bezieht sich auf einen Schönheitswettbewerb in Las Vegas in jener Zeit, als überirdische Atomtests noch eine Touristenattraktion in Nevada waren), das herrlich weit ausholt und mit seiner Gitarre am Ende kurz Mr. Brightside zitiert. Auch das zackige From Here On Out (dessen Refrain allerdings fatalerweise wie von Chris de Burgh klingt) ist vergleichsweise auf den Punkt. So viel Punch haben aber die wenigsten Songs auf dieser Platte – ein paar Mal kippt die neue Zufriedenheit der Killers leider in Selbstgefälligkeit.

Für den Auftritt bei Letterman hatte die Hälfte der Killers leider ihre Lederjacken vergessen:

Im März gibt es die Killers dreimal live in Deutschland zu sehen:

04.03.2013 Hamburg, o2 World

05.03.2013 München, Zenith

07.03.2013 Köln, Lanxess Arena

Homepage der Killers.


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