Hingehört: The Killers – „Sawdust“ 14


Die B-Seiten der Killers sind auf „Sawdust“ versammelt.

Künstler The Killers
Album Sawdust
Label Island
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Wenn man bedenkt, dass sie erst zwei Alben veröffentlicht haben, dann haben die Killers schon eine Menge erreicht. Sie waren Headliner beim Glastonbury-Festival. Sie haben einen Krieg mit einer anderen Band angezettelt (kennt noch jemand The Bravery?) und gewonnen. Und sie haben in Person von Sänger Brandon Flowers einen Rockstar ins allgemeine Bewusstsein katapultiert, dem man ein pinkes Sakko ebenso durchgehen lässt wie einen lächerlichen Schnauzer oder krankhaften Ehrgeiz.

Dass die Killers nun, nach wohlgemerkt nur zwei regulären Platten, eine Sammlung ihrer Raritäten veröffentlichen, ist angesichts dieser Vorgeschichte nur noch wenig verwunderlich. Und es gibt sogar gute Gründe dafür. In vielen Ländern erscheinen die Singles der Band nicht, die B-Seiten blieben den Fans also bisher vorenthalten. Außerdem haben sie ein paar wenig bekannte Cover-Versionen und Gastbeiträge für Soundtracks gemacht. Und schließlich waren aus den Sessions für die letzte LP Sam’s Town noch so viele Lieder übrig, dass man für deren Veröffentlichung einen geeigneten Kontext gesucht hat.

Vieles davon wurde zu Recht nicht für die beiden famosen LPs ausgewählt. Stücke wie Sweet Talk oder Show You How sind zwar gut, aber nicht gut genug. Anderes hat durchaus das Niveau der Albumtracks (All The Pretty Faces, Keep The Bourbon On The Shelf) oder gar von Singles (das bereits als Bonustrack von Hot Fuss bekannte, hier aber in einer leicht veränderten Version zu hörende Glamorous Indie Rock And Roll).

Richtig wertvoll wird diese Sammlung für Fans aber, weil sie ein paar interessante Einblicke ins Innenleben der Band aus Las Vegas gibt. Das neue Stück Tranquilize enthält einen Gastauftritt von Lou Reed, wurde aber produziert von der U2s Alan Moulder. Genau dieser Spagat ist es, den Flowers anstrebt: mit seinen Liedern eines Tages zum großen amerikanischen Songbook zu zählen, in dem Reed einige Kapitel geschrieben hat, gleichzeitig aber auch den Massenappeal von Bono & Co. zu erreichen.

Das Joy-Division-Cover Shadowplay verweist auf den Traditionsstrang New Order/Depeche Mode/Elektro, Move Away ist hingegen fast Hardrock. The Ballad Of Michael Valentine bringt dem Gottvater Bowie ein Glam-Disco-Opfer dar. Die zunächst aufs Piano reduzierte, später ein großes Arrangement aufbietende Abbey-Road-Version von Sam’s Town macht klar, dass das Stück von Anfang an als nichts anderes gedacht war als ein Klassiker.

Nicht zuletzt müssen hier zwei Covers genannt werden. Ruby, Don’t Take Your Love To Town, im Original von Kenny Rogers, ist eine eigentlich peinliche Wahl, erweist sich aber als wichtiges Bindeglied zwischen den Killers-Alben und zeigt, dass der Weg nach Sprinsteensville der Band schon 2005 verlockend erschien. Und das Dire-Straits-Highlight Romeo And Juliet markiert die Killers als große Romantiker.

Zum Schluss macht Jacques Lucont’s Thin White Duke Remix von Mr. Brightside deutlich, dass die Killers auch New Rave können, wenn sie wollen. Aufs dritte Album darf man gespannt sein.

Ein Klassiker: Die Abbey-Road-Version von Sam’s Town.

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