Hingehört: The Kooks – „Inside In/Inside Out“ 2


Das Debüt der Kooks enthält Hits umringt vom Scheitern.

Künstler The Kooks
Album Inside In Inside Out
Label Virgin
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ***1/2

Die Stärken von Debütalben: Der Eroberungsdrang. Das Begehren, die jahrelang angesammelten Songs endlich herauszuschreien, am liebsten in die ganze Welt. Die Fähigkeit, schon als komplett fertiger Entwurf in die Welt zu treten, als Identifikationsfigur und Gesamtkunstwerk.

Nichts davon bietet Inside In/Inside Out, das Debüt der Kooks. Es gibt hier keinen einheitlichen Sound, kein genau konzipiertes und umständlich gepflegtes Image. Nicht einmal den Willen, es allen zu zeigen, sofort. Deshalb ist auf dem Cover keine Pose zu sehen und kein Swagger. Stattdessen sitzen die Kooks im Kreis, verloren in ihre Instrumente.

Deshalb macht auch nicht das ungestüme und muskulöse See The World den Anfang. Der Opener ist kein Alarmsignal, kein monströser Schlag in die Magengrube, sondern stattdessen Seaside, nur Gesang und Gitarre. Dieser tolle Folk zeigt allerdings trotzdem bereits die Stärken der Kooks: die herrlich brüchigen Stimme von Luke Pritchard und ein feines Gespür für etwas verquere Melodien.

Der schwungvoll-unschuldige Hit Sofa Song, das kaum zu bändigende Eddie’s Gun und auch der vollkommen verlorene Rausschmeißer Got No Love erinnern an die frühen Travis. Ooh La verlässt sich ganz auf die Kraft der akustischen Gitarren und des gekonnten Arrangements. Mit halsbrecherischem Tempo und einem Mitgröl-Refrain voller Leidenschaft wird You Don’t Love Me beinahe zu Glam-Rock.

She Moves In Her Own Way geht deutlich subtiler zu Werke, hat wieder eine dieser vertrackten Melodien, ist vorzüglich leicht und verspielt. I Want You klingt, als würden The Cure den Grunge für sich entdecken. Jackie Big Tits sollte unbedingt noch in diesem Sommer zum Lagerfeuer-Klassiker werden.

Matchbox versucht sich auf Funk- und Reggae-Terrain (und scheitert), auch das leidlich tanzbare Naive kann Elemente von Mucker-Macken nicht verbergen, beide werden aber von großartigen Refrains gerettet. Das vom Bass getragene If Only überzeugt ebenfalls nicht, das faserige Time Awaits zeigt ziemlich eindrucksvoll, warum bisher noch niemand versucht hat, Blues und Ska in einem Song zu vereinen.

Doch gerade dieses gelegentliche Scheitern macht Inside In/Inside Out so spannend und unterhaltsam (und macht zudem auf das nächste Album gespannt). Die Kooks sind auf ihren Debüt eben noch kein fertiges Paket. Stattdessen demonstrieren die vier Engländer hier die Lust am Suchen, die Bereitschaft, noch etwas dazuzulernen, sich zu entwickeln – und jede Menge Talent.

Fast wie Lagerfeuer: Luke Pritchard spiel eine Akustik-Version von Jackie Big Tits:

Die Kooks bei MySpace.


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