Hingehört: The Megaphonic Thrift – „The Megaphonic Thrift“


Das Prinzip auf "The Megaphonic Thrift" ist schnell ausgemacht: Am Ende bleibt Feedback.

Das Prinzip auf "The Megaphonic Thrift" ist schnell ausgemacht: Am Ende bleibt Feedback.

Künstler The Megaphonic Thrift
Album The Megaphonic Thrift
Label Club AC30
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Ein Riff ist, nüchtern betrachtet, keine große Sache. Ein paar Töne, ein paar Effekte, ein paar Wiederholungen. Selbst die größten Gitarristen der Welt werden da nicht widersprechen können. Und die Freaks, die sich die Mühe machen, Videos mit den angeblich 30 besten Riffs aller Zeiten für YouTube zu erstellen, können da ebenfalls keine ernsthaften Gegenargumente ins Feld führen.

The Megaphonic Thrift würde ich aber vorsichtshalber nicht mit dieser These konfrontieren. Die drei Norweger sind dem Kult des Riffs voll und ganz verfallen. Mit nichts als Riffs sind sie ins Studio gegangen, um in ihrer Heimatstadt Bergen ihr zweites Album nach dem Debüt Decay Decoy (2011) aufzunehmen. Und auf den elf Stücken von The Megaphonic Thrift steht nun durchweg ein Riff im Mittelpunkt.

Das Erstaunliche daran: Trotzdem schaffen es Richard Myklebust, Linn Frokedal und Njal Clementsen, die alle auch in anderen Bands spielen, ihre Songs abwechslungsreich, erfinderisch und vielschichtig klingen zu lassen. Fast immer wirken diese Lieder, als entdecke hier gerade jemand, mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht, zum ersten Mal die Einsatzmöglichkeiten einer E-Gitarre. Fast immer enden diese Lieder mit ein paar Sekunden Feedback. Aber was davor passiert, ist niemals eindimensional, sondern erstklassige Rockmusik.

Schon der Opener Tune Your Mind vereint einen Beat so wuchtig wie der von Fuckin’ In The Bushes mit der Gitarrengewalt von Queens Of The Stone Age. Raising Flags bringt danach einen kraftvollen Bass in Stellung und hat all die Power von Punk. Fire Walk With Everyone profitiert, wie viele andere Stücke, von einem spannenden Kontrast, der zum zweiten Markenzeichen von The Megaphonic Thrift wird: Ihren Sound kann man gut und gerne heavy nennen, doch der Gesang ist meist ähnlich schüchtern und ätherisch wie bei Dinosaur Jr. oder Nada Surf.

Auch deshalb klingt dieses Album niemals grobschlächtig. Dazu kommt eine Vielfalt, die verstehen lässt, warum das Trio noch längst nicht genug von der eigenen Gitarrengeilheit hat: Broken Glass/Yellow Fingers ist etwas düster im Stile von The Cure oder The Big Pink, das akustisch-spacige I Wanted You To Know klingt, als hätte jemand mitten im Dromedar-Nebel ein Lagerfeuer angezündet. The Guillotine wird psychedelisch, Spaced Out ist zugleich Unterwasser- und Über-den-Wolken-Musik, der Swan Song beweist, dass The Megaphonic Thrift auch ein großes Pop-Verständnis haben.

“It is spontaneous and schizophrenic because of how we wrote the songs. There were no rules so the diversity of the songs came naturally. It is lighter but also darker at times than Decay Decoy. In a way it is like a mirror for what has inspired us since that album was recorded”, erklärt Keyboarderin Linn Frokedal die Philosophie und Herangehensweise des Trios. Das Ergebnis macht mehr als neugierig, wie das nächste Album der Band klingen wird.  Man darf gewiss sein, dass The Megaphonic Thrift dann wieder ganz ungezwungen ins Studio gehen werden – solange sie bloß ein paar Riffs haben.

Feuer! Lederjacken! Schlechte Drogen! Auch ins Video zur Single Tune Your Mind stecken The Megaphonic Thrift die Essenz des Rock’N’Roll:

The Megaphonic Thrift bei MySpace.

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