Hingehört: The Offspring – „Days Go By“ 1


Immer weiter: The Offspring setzen mit "Days Go By" auf das Oliver-Kahn-Motto.

Immer weiter: The Offspring setzen mit „Days Go By“ auf das Oliver-Kahn-Motto.

Künstler The Offspring
Album Days Go By
Label Sony
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

„Wir wollen mit jedem Album etwas Neues bieten“, sagt Dexter Holland, Frontmann von The Offspring. Wer von dem Quartett aus Huntington Beach nur das Monster-Album Smash aus dem Jahr 1994 (übrigens bis heute das meistvekaufte Album aller Zeiten auf einem Independent-Label) kennt oder vielleicht noch das unvermeidliche Pretty Fly (For A White Guy), der wird da sicher sehr hellhörig. Es wäre leicht, The Offspring für ein One-Trick-Pony zu halten, das sich mit dem immergleichen Sound (Punkriffs, hohe Stimme und alberne Texte) mehr schlecht als recht dem Karriere-Ende entgegenschleppt. Aber das gerade erschienene Days Go By zeigt, dass tatsächlich mehr in dieser Band steckt. „Nach neun Alben ist es sehr leicht sich zu wiederholen. Man muss schon tiefer bohren um sich selbst weiterzubringen“, hat Dexter Holland ganz richtig erkannt.

Gefunden hat die Band beim Bohren im Steinbruch der eigenen Fähigkeiten teilweise erstaunliche Sounds und in jedem Fall genug Facetten, um niemals zu langweilen. Cruising California setzt zwar auf einen 1-2-3-4-Beginn à la Ramones, wird dann aber ein Rap über die Unbeschwertheit des kalifornischen Sommers. OC Guns packt Mexiko und Jamaika zusammen und All I Have Left Is You wächst sich gar zu einer richtigen Powerballade aus.

Die zweite Überraschung ist die Erkenntnis, wie viel Energie offensichtlich noch immer in Dexter Holland (Gesang, Gitarre), Noodles (Gitarre), Greg Kriesel (Bass) und Pete Parada (Schlagzeug) steckt. The Future Is Now hat als Opener so viel Punch und Schwung und zudem den Offspring-Trademark-Sound, dass es auch gut auf Smash gepasst hätte. Die Single Secrets From The Underground ist ein Volltreffer, mit beeindruckendem Schlagzeug und einem Text, der tatsächlich auf einen Protest-Song hindeutet (das Booklet zeigt an dieser Stelle passenderweise gleich eine Anonymous-Maske). Auch mit Turning Into You beweist Holland, dass der eine oder andere aus der jüngeren Riege der Schreihälse von ihm noch etwas lernen kann.

Großen Anteil daran hat offensichtlich Produzent Bob Rock, der schon den Vorgänger Rise And Fall, Rage And Grace betreut hatte, und von dem The Offspring noch immer schwärmen. „Das letzte Album war wirklich toll, also wollten wir wieder mit Bob arbeiten“, erklärt Holland. „Wenn man zum zweiten Mal mit einem Produzenten arbeitet, können zwei Dinge passieren: Entweder es wird alles besser, weil man sich ja näher kennengelernt hat. Oder aber man ist schon zu eng miteinander verbunden und das Verhältnis ist nicht mehr professionell genug. Der Produzent ist dann viel zu sehr dein Kumpel. Glücklicherweise war es bei uns aber nicht so. Bob hat uns dazu angehalten, alle unsere Ideen zu verwirklichen.“

So reicht die Bandbreite von ein bisschen Emo-Düsternis (Dirty Magic) bis zum bekannten Pennäler-Humor (I Wanna Secret Family With You wird von einer Stripperin zu Gedankenexperimenten über Polygamie inspiriert). Der Titelsong ist zwar musikalisch eher gemäßigt (die Gin Blossoms könnten hier gar als Bezugspunkt dienen), fasst aber das aktuelle Credo von The Offspring gut zusammen. „Die Zeit bleibt nicht stehen. Wir müssen unser Leben bestreiten. Wir müssen uns zusammenreißen. Niemand nimmt uns das ab“, erklärt Holland die Aussage das Lieds. „Gleichzeitig ist da diese hoffnungsvolle Botschaft. Und ich wollte, dass sie rüberkommt. Die letzten Jahre waren für sehr viele Leute sehr hart. Im Fernsehen oder in den Nachrichten kannst du es verfolgen. Der Song sagt nicht einfach nur, ‚Lasst uns revoltieren!‘ Es geht um die Botschaft, dass alles besser werden kann.“ Das gilt wohl auch für The Offspring: Es geht immer weiter, und es wartet immer ein Neuanfang.

Wir haben übrigens 36 Millionen Alben verkauft, scheint die dezente Botschaft im Quasi-Video zu Days Go By zu sein:

The Offspring bei MySpace.


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