The Prodigy – „Always Outnumbered, Never Outgunned“ 3


Künstler The Prodigy

The Prodigy beweisen: Nichts ist so alt wie die Tanzmusik von gestern.

Album Always Outnumbered, Never Outgunned
Label XL Recordings
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung

Sieben Jahre. Nur, um das mal zu verdeutlichen: Vor sieben Jahren war Helmut Kohl noch Bundeskanzler. Bei Bayern München spielte Ruggiero Rizzitelli, Jürgen Klinsmann war gerade zu Sampdoria Genua gewechselt. Robbie Williams war ein belächelter Boygroup-Veteran und Chumbawamba eine ganz große Nummer. So lange ist das schon her.

Vor sieben Jahren haben Prodigy ihr letztes Album veröffentlicht. The Fat Of The Land räumte damals groß ab, war Album des Jahres 1997 im Musikexpress und Chart-Spitzenreiter in 27 Ländern. Was war das für eine Monstermusik: Kracher wie Firestarter oder Breathe trieben Raver wie Punks auf die Tanzfläche, Smack My Bitch Up fand gar bei Hipstern, das etwas ältere Out Of Space auch bei Hippies Gefallen.

Doch wie lange sieben Jahre sind, mussten die einstigen Bosse des Big Beat schon im vorletzten Sommer erfahren, als ihre Single Baby’s Got A Temper zum Mega-Flop wurde. Glaubt man Prodigy-Chef Liam Howlett, hat das Fiasko seine Kampfeslust geweckt, Goldadern der Kreativität erschlossen und ihn wieder auf den Pfad der Tugend gebracht. Für das neue Album Always Outnumbered, Never Outgunned verspricht er, dass The Prodigy wieder zu sich selbst und zu Hochform zurückfinden. Von Inspiration war die Rede, von Innovation gar.

Nun liegt die Platte vor, und das Warten (wenn denn noch jemand gewartet hat) hat sich nur bedingt gelohnt. Bösartig könnte man sagen: Das einzig neue an Prodigy ist, dass sie plötzlich langweilig sind. Es ist eben nichts so alt wie die Tanzmusik von gestern. Insbesondere wenn sie bloß so aufgeblähten und überholten Electrosound liefert wie Memphis Belles, hohle Kraftmeierei wie Get Up Get Off oder Ethno-Quatsch wie Medusa’s Path.

Das Album hat aber auch seine Momente. Im Opener Spitfire sind die Beats mächtig wie nie, der Bass enorm garstig, der Gesang megafies. Zum Hotride laden der Gesang von Juliette Lewis und ein packender Rhythmus ein. Höhepunkt ist der Rausschmeißer Shoot Down mit reichlich Gitarren-Attacken und Liam Gallaghers famosestem Keifen.

Das energiestrotzende Action Radar tobt sich ganz putzig aus, The Way It Is ist zwar recht müde, hat aber immerhin noch die Chuzpe, Michael Jacksons Thriller zu sampeln.

Fazit? Prodigy tummeln sich noch immer schön im roten Bereich, nicht mal schlechter als früher. Nach sieben Jahren ist Always Outnumbered, Never Outgunned bloß ein bisschen outdated.

Fies wie nie: Der Clip zur Single Spitfire:

The Prodigy bei MySpace.


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