Hingehört: The Rifles – „Freedom Run“


Mit neuer Besetzung klingen The Rifles auf "Freedom Run" wie nach einer Überdosis Red Bull.

Mit neuer Besetzung klingen The Rifles auf „Freedom Run“ wie nach einer Überdosis Red Bull.

Künstler The Rifles
Album Freedom Run
Label Right Hook Records
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Runderneuert treten The Rifles auf ihrem dritten Album an. Joel Stoker und Luke Crowther sind nach wie vor die Köpfe des Quintetts aus London. Doch vom Rest der Gründungsformation ist auf Freedom Run niemand mehr übrig.

Das personelle Update hat der Band hörbar gut getan: Freedom Run klingt durchweg so frisch und energisch, als hätten sich die Rifles seit ihrem letzten Album Great Escape (2009) ausschließlich von Red Bull ernährt. Vom ersten Song an ist Freedom Run einnehmend und kurzweilig.

„Give me a friend with a heart that beats“, fordert Dreamer, besagter erster Song. Dazu gibt es den ersten von vielen Refrains mit so viel Klasse, wie das sonst nur Mumm-Ra oder die Kooks hinbekommen. Long Walk Back entwickelt rund um ein eingängiges Piano-Riff, eine Akustikgitarre und Handclaps eine Atmosphäre voller Unschuld und Ungeduld.

Bei Sweetest Thing, das zugleich Radiohit, Festivalhymne und Discofeger ist, spielt Rifles-Mentor Paul Weller an der Gitarre mit. In seinem Black-Bam-Studio wurde die Platte mit Produzent Chris Potter aufgenommen. Dass der schon mit Größen wie den Rolling Stones, The Clash oder The Verve gearbeitet hat, lässt der nächste Song mehr als erahnen. Die Vorab-Single Tangled Up In Love baut sich, ganz ähnlich wie einst Bittersweet Symphony, um eine Streicherfigur auf und steigert sich am Ende fast in einen Rausch hinein.

The Jam standen bei Eveline unverkennbar Pate, wenn Stoker und Crowther gemeinsam singen, klingen gelegentlich auch die Harmonies der Rembrandts durch. Auch I Get Low dürfte Meister Weller bestens gefallen: Northern Soul at its best.

Freilich gelingt nicht alles auf Freedom Run: Love Is A Key soll wohl wie die frühen Beatles klingen, beschwört dann aber eher Assoziationen zu Status Quo (die erste Hälfte) und den Monkees (die zweite Hälfte) herauf. Auch das Interlude nach gut der Hälfte der Platte hat eine Prise zu viel Muckertum und scheitert mit dem Versuch, zugleich psychedelisch und heavy zu sein. Falling ist bloß hübsch, hat aber kaum Substanz. Nothing Matters beginnt sehr reduziert und verheißungsvoll, übt danach die ganz große Geste, verpasst aber den Moment, in dem das Lied richtig abheben könnte.

Nach diesem Durchhänger zeigen The Rifles aber am Schluss, dass sie ihr Pulver doch nicht zu früh verschossen haben. Coming Home klingt so einfach und beglückend, wie es sich nun einmal anfühlt, nach Hause zu kommen. Mit Little Boy Blue (Human Needs) beweisen sie, dass sie durchaus auch ein bisschen verschroben sein können. Und Cry Baby ist ein höchst ungewöhnlicher Rausschmeißer: Es gibt keine opulente Monster-Ballade, sondern einen kompakten Song, der ebenso elegant wie lässig aus dem Ärmel geschüttelt wirkt. Das kann man durchaus als Zeichen von Selbstbewusstsein interpretieren. Wie heißt es in einer Zeile von I Get Low? „Take me back to your home / and make a new start.“ Dieses Vorhaben den Rifles mit Freedom Run definitiv gelungen.

Die Single Tangled Up In Love ist perfekt für eine Kneipenparty geeignet, wie The Rifles im Video beweisen:

The Rifles bei MySpace.

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