Hingehört: The Veils – „Time Stays, We Go“


"Times Stay, We Go" fehlen die spektakulären Momente.

„Times Stay, We Go“ fehlen die spektakulären Momente.

Künstler The Veils
Album Time Stays, We Go
Label Pitch Beast Records
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Von all den blasierten Redewendungen, von denen es auf dieser Welt so viele gibt, ist „je ne sais quoi“ eine der dämlichsten. Hier möchte ich sie dennoch einmal gebrauchen. Denn für Time Stays, We Go, das vierte Album der Veils, passt diese Formulierung ganz wunderbar.

Das Quintett aus Neuseeland hat eine sehr gekonnte, solide, kompetente Rockrockplatte gemacht. Ein Kollege der Los Angeles Times hat in Time Stays, We Go sogar „das Beste und Aufregendste, was wir in diesem Jahr gesehen haben“ erkannt. Frontmann Finn Andrews, übrigens der Sohn von Barry Andrews (XTC), zeigt sich ebenfalls hoch zufrieden: “I never set out to be in a successful band, I just really hoped that someday I might get to be in a great one. Ultimately I’ve just always wanted to tell little stories in my songs, but then there’s a very improvised and cathartic aspect to what we do as well and I really wanted this record to put both of these sides across. I like the idea of Roy Orbison having a weird day out in the desert with The Stooges.” Man kann nachvollziehen, was sie meinen. Und doch fehlt dieser Platte eindeutig das gewisse Etwas.

Hört man genau hin, kann man dieses „Je ne sais quoi“ sogar benennen: Time Stays, We Go hätte etwas mehr Tempo gut getan, mehr Licht, mehr Lautstärke und weniger Verkrampftheit. Der Rausschmeißer Out From The Valley & Into The Stars ist eines von vielen Liedern, die klingen, als würden The Veils notgedrungen ganz vorsichtig agieren, um bloß die Nachbarn nicht zu nerven. Wie mit letzter Kraft gespielt und gesungen – das ist oft die Ausgangsposition auf diesem Album.

Dabei mögen The Veils durchaus die große Geste. Die Single Through The Deep, Dark Wood ist kaum weniger ambitioniert als die Songs beispielsweise der White Lies, und setzt ebenfalls auf sehr prominentes Schlagzeug-Bass-Zusammenspiel. Im schönen Another Night On Earth macht Finn Andrews deutlich, dass er problemlos bei Arcade Fire einspringen könnte, sollten die mal einen Ersatz für Sänger Win Butler suchen. Auch Train With No Name, das mit seinem angedeuteten Reggae-Beat ganz langsam Spannung aufbaut, macht deutlich, dass sich The Veils auf keinen Fall mit dem Gewöhnlichen begnügen wollen.

Doch der Platte fehlen eindeutig die spektakulären Momente, und im Unterschied beispielsweise zu Arcade Fire fehlen auch die Momente der Katharsis. Egal, ob im verlorenen Fifties-Drama Candy Apple Red, im stetig dahinfließenden The Pearl oder in Dancing With The Tornado, das mit komplexen Rhythmen und schlecht gespielter guter Laune ein bisschen wirkt, als hätte jemand die Pixies auf Kreuzfahrt geschickt.

Es gibt gute Lieder wie Sign Of Your Love, das eine faszinierende Unruhe verströmt, das angenehm luftige Birds oder das flotte Turn From The Rain mit einem netten Trompetensolo. Aber es war ganz offensichtlich keine allzu gute Idee, dass The Veils nach drei Alben für Rough Trade diesmal alles in Eigenregie gemacht haben, die Platte also auf ihrem eigenen Label erscheint und auch von Finn Andrews (mit Adam Greenspan) co-produziert wurde.

An vielen Stellen wäre hier der Hinweis nötig gewesen, dass die Songs halbherzig sind. Es fehlt Time Stays, We Go der Wille, wirklich etwas Unkonventionelles zu machen – auch jenseits der Koordinaten, die von den großen Vorbildern abgesteckt wurden. So bleibt am Ende der Eindruck, dass ein mittelmäßiges Album noch ein bisschen mittelmäßiger wirkt, wenn man ihm anmerkt, wie unbedingt es gerne etwas ganz Besonderes sein will.

The Veils spielen Out From The Valley & Into The Stars in den Abbey Road Studios:

Homepage der Veils.

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