Hingehört: TheeSatisfaction – „Awe Naturale“ 1


Schwarz, clever, innovativ: So klingt "Awe Naturale" von Thee Satisfaction.

Schwarz, clever, innovativ: So klingt „Awe Naturale“ von Thee Satisfaction.

Künstler TheeSatisfaction
Album Awe Naturale
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Das Cover sagt eine Menge aus über Awe Naturale. Darauf sind Stasia Irons und Catherine Harris-White zu sehen, die beiden Damen aus Seattle, die TheeSatisfaction bilden. Ihre Silhouetten wirken geheimnisvoll, ihre Pose selbstbewusst, der Blick in die Zukunft gerichtet.

Das sind die wichtigsten Eckpunkte für dieses Debütalbum. Es gibt hier, um aus dem Presse-Info zu zitieren, „positive energy“ und „black purity”, und zwar in Form von „funk-psychedelic feminista sci-fi epics“. Man kann auch einfach sagen: HipHop, clever, warm, innovativ und mit Sendungsbewusstsein.

Aw ist als Intro so etwas wie Jazz, aber rückwärts abgespielt, und dann noch einmal durch die Mangel von Lee Scratch Perry gedreht. Bitch besteht danach nur aus Bass, Percussions und Gesang, wobei die Stimmlage problemlos innerhalb einer Silbe von Raubkatze zu Schmusekätzchen umschwingen kann. Earthseed hat eine sehr schicke und doch bedrohliche Piano-Atmosphäre à la Portishead.

Damit sind nicht einmal fünf Minuten von Awe Naturale vergangen, und TheeSatisfaction haben schon einen enormen Klangkosmos entworfen. So geht es weiter: HipHop, komplex und mutig – da muss man natürlich an The Roots denken. Auch Ursula Rucker, Lauryn Hill oder das Ethos von Arrested Development sind offensichtlich Bezugspunkte für TheeSatisfaction, die 2008 mit ein paar Mixtapes anfingen, dann selbstgemachte CDs unters Volk brachten und auf selbst finanzierten Tourneen neue Fans gewannen.

TheeSatisfaction wissen um die betörende Kraft des Repetitiven. Vieles klingt opulent, ist aber in Wirklichkeit mit recht reduzierten Mitteln erschaffen. Niemals hat diese Musik so etwas wie Punch (auch wenn es zum Schluss in Naturale pulsierende, wilde Drums gibt), dafür aber eine Menge Sexappeal (wie im sanften Existinct). In Deeper wird nicht gerappt, sondern doziert. Der verschleppte Beat von Sweat kontrastiert schön mit den Latin-Bläsern, die aus einem Earth-Wind-And-Fire-Track gesamplet sind. Juiced klingt wie Jay-Z unter Wasser, Crash schafft es, den denkbar warmen Sound eines Fender Rhodes mit der denkbar kühlen Thematik des binären Zahlensystems zusammenzubringen.

Das sicher beste Beispiel für den faszinierenden Sound dieses Duos ist Needs. Ein irrer Track entwickelt sich da, mit flirrendem Bass und einem verschachtelten Beat, bis ganz am Schluss nur noch die beiden Stimmen von Stasia Irons und Catherine Harris-White zu hören sind. Und erst dann merkt man, was für die Minuten zuvor gilt und für Awe Naturale als Ganzes: Hier rumort es gewaltig.

Ha! Sendungsbewusstsein! TheeSatisfaction performen Deeper für eine Radioshow:

TheeSatisfaction bei MySpace.


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