Hingehört: Yael Naim – „She Was A Boy“ 2


In Frankreich ist "She Was A Boy" schon ein Erfolg.

In Frankreich ist "She Was A Boy" schon ein Erfolg.

Künstler Yael Naim
Album She Was A Boy
Label Tot Ou Tard
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Bei Yael Naim dauert anscheinend alles ein bisschen länger. Als Kind in Israel schwärmte sie lange für Klassik, bevor sie als Zwölfjährige über die Beatles-Platten ihres Vaters doch noch die Popmusik für sich entdeckte. Nach dem Debütalbum 2001 schwenkte Yael Naim auch in ihrem eigenen Stil um – es brauchte erst die Begegnung mit dem Schlagzeuger David Donatien, bis sie dann im Jahr 2007 auf ihrer zweiten CD Yael Naim einen überzeugenden musikalischen Ausdruck für ihre Persönlichkeit fand. Bis zum richtigen Durchbruch verging aber noch einmal eine Weile. Als Apple sein MacBook Air auf den Markt brachte, da war die Musik von Yael Naim in den Werbespots zu hören. Die Single New Soul verkaufte sich danach zwei Millionen Mal, auch das Album wurde ein internationaler Erfolg.

Der Nachfolger ließ dann allerdings wieder auf sich warten. She Was A Boy, das dritte Album der Multiinstrumentalistin, die als Tochter tunesischer Eltern in Paris geboren wurde, ist Ende 2010 in Frankreich erschienen, nun kommt es auch in Deutschland auf den Markt. She Was A Boy wird alle mehr als zufrieden stellen, die Yael Naim über die Apple-Werbung entdeckt haben. Und es wird vor allem all jenen gefallen, für die Musik in erster Linie schön sein muss.

Dabei gibt es keineswegs bloß die allseits beliebte Kombination aus hübscher Stimme mit Klavier, die Nora Jones populär gemacht und die seitdem eine immer größer werdende Schar an talentierten Künstlerinnen hervor gebracht hat. Yael Naim hat eine deutlich größere Bandbreite: In Puppet baut sie mit einer Marimba viel Spannung auf. Never Change ist ein langsamer Blues, den man durchaus sexy nennen darf. Durch das melancholische My Dreams meint man den Chor der Engel hören zu können.

Dazu kommt – ganz offensichtlich durch den Einfluss von Donatien – eine Vorliebe für ausgefallene Rhythmen, die ihre Komplexität aber immer wieder geschickt verbergen. Bestes Beispiel dafür ist Go To The River, das mit seinem Heimorgel-Sound am Beginn wie Mambo Kurt klingt, sich dann aber in einen Rausch hinein steigert und mit dem verschachtelten Gesang am Schluss fast wie eine Revue klingt. Der Titelsong setzt auf Latin-Einflüsse, Man Of Another Woman baut arabische Elemente ein.

Auch Mystical Love hat dieses Faible für Exotik und lässt damit an die frühe Nelly Furtado denken. Der Song zeigt aber auch das Problem von She Was A Boy: Vieles ist auf dieser Platte ein Stückchen zu verkopft und überambitioniert. Wenn sich Yael Naim zurücknimmt, wie im sanften I Try Hard oder If I Lost The Best Thing, wo sie ganz allein zur Gitarre singt, dann ist alles gut. Doch an anderer Stelle gibt es immer wieder Opulenz um der Opulenz willen und einen unglückseligen Hang zu übertriebener Dramatik.

Zudem fehlen Yael Naim ein paar Tempowechsel, um das Album als Ganzes wirklich kurzweilig zu machen. Go To The River wird recht zackig, Stupid Goal gerät vergleichsweise straight und vor allem der Kate-Nash-artige Opener Come Home hat eine Heiterkeit, die man sich (und ihr) auf She Was A Boy öfter wünschen würde.

Die Essenz von Yael Naim zeigt diese Performance der Single Come Home, quasi unplugged:

Yael Naim bei MySpace.


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