Interview mit Bernhard Langer


"Den Spaß am Golf werde ich nie verlieren", sagt Bernhard Langer. Foto: obs/Schüco

Bernhard Langer, Deutschlands erfolgreichster und bekanntester Golfer, ist zum zweiten Mal beim großen Turnier des GC Hofgut Praforst um den Executive-Cup dabei. Am Rande der Veranstaltung stand der 46-Jährige Rede und Antwort.

Frage: Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein zweifacher Masters-Sieger bei einem Amateurturnier mitmischt. Wie kam es dazu?

Langer: Ich bin sonst eigentlich wirklich nicht bei Turnieren dieser Art dabei. Aber ich bin gerne nach Hünfeld gekommen, weil ich schon seit Jahren geschäftlich und freundschaftlich mit Dr. Meinhardt verbunden bin. Als er mir von dem Turnier und dem guten Zweck erzählt hat, für den es veranstaltet wird, habe ich zugesagt. Ich habe auch ein paar Dinge mitgebracht, die versteigert werden sollen und hoffe, dass das Turnier dadurch noch ein bisschen aufgewertet wird.

Frage: Überhaupt haben Sie viel für den Golfsport getan und das Spiel in Deutschland erst bekannt gemacht. Befürchten Sie manchmal, dass dieser Stellenwert wieder verloren geht, wenn erst einmal eine Leitfigur wie Bernhard Langer fehlt?

Langer: Man sieht solche Entwicklungen ja im Tennis oder auch beim Boxen. Ich denke aber, dass im Golf einiges nachkommt. Die Frage ist, ob Leute wie Sven Strüver, Marcel Siem oder Alex Cejka es auch in die absolute Weltspitze schaffen. Solche Highlights braucht der Sport, um auch von einer großen Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.

Frage: Wem trauen Sie denn am ehesten zu, in Ihre Fußstapfen zu treten?

Langer: Das ist sicher Alex Cejka. Er ist am nächsten dran. Allerdings geht es im Golfsport immer enger zu. Es wird immer schwerer, sich an der Spitze zu behaupten.

Frage: Wie lange trauen Sie sich dieses Leistungsniveau noch zu? Ihr großes Vorbild Gary Player ist mit 50 in die Senior-Tour gewechselt. Werden Sie ihm auch in diesem Punkt nacheifern?

Langer: Das ist denkbar, aber bis dahin habe ich ja noch ein paar Jahre. Aber natürlich merke ich, dass ich in den 40ern bin und mich schwerer tue als früher. Die meisten wechseln mit 50 zu den Senioren, weil sie dort wieder die jüngsten und die besten sind.

Frage: Sie haben einmal gesagt, dass sie ihre Karriere erst beenden, wenn sie eine lange sportliche Durstsrecke oder keine Lust mehr auf Golf haben. Welche Variante ist denn im Moment wahrscheinlicher?

Langer: Als dritter Grund kämen noch gesundheitliche Probleme dazu. Aber meine Handgelenksverletzung, die mir ein paar Wochen Schwierigkeiten bereitet hat, habe ich auskuriert. Und den Spaß am Golf werde ich wohl nie verlieren. Am ehesten kommt also wohl die sportliche Talfahrt in Frage. Aber die deutet sich im Moment zum Glück auch nicht an. Immerhin bin ich noch einmal zum Ryder-Cup-Kapitän ernannt worden. Das ist eine große Ehre für mich.

Frage: Wenn Sie auf Ihre Jahre als Jungprofi zurückblicken: Gehen Sie heute als Routinier anders in ein Turnier?

Langer: Ich bin immer noch sehr fleißig und bereite mich gut vor. Aber es hat sich vieles verändert, vor allem das Material. Obwohl ich mit 20 viel kräftiger war, schlage ich die Bälle heute weiter, weil die Schläger besser geworden sind. Außerdem sehen heute alle Profis das Golfspielen als ihren Job, sie sind richtige Athleten. Als ich anfing, galt es noch als seltsam, auch Fitness-Training zu machen. Mit so etwas haben sich damals nur 20, 30 Prozent der Spieler beschäftigt. Da war ich meiner Zeit wohl ein bisschen voraus.

Frage: In welchem anderen Profi erkennen Sie sich wieder?

Langer: Jack Nicklaus hatte eine ähnlich Spielweise: sehr konzentriert und lieber etwas langsamer.

Frage: Für diesen eher reservierten Stil sind Sie gelegentlich kritisiert worden. Haben Sie jemals daran gedacht, vielleicht ein wenig spektakulärer aufzutreten?

Langer: Nein, man sollte sich da nicht verbiegen lassen. Man muss man selbst bleiben, jeder hat seinen eigenen Charakter. Außerdem gibt es beim Golf ja recht strenge Regeln, die es gar nicht erlauben, auf dem Platz sonderlich aus sich raus zu gehen. Ich denke, dass ich auch genug Freunde meiner Spielweise gibt. Das sehe ich auch aus vielen Briefen, die ich erhalte. Vielleicht ist es ein bisschen wie damals im Tennis die Konkurrenz zwischen John McEnroe und Björn Borg: McEnroes extrovertierte Art hat vielen gefallen, ich war aber eher ein Freund von Björn Borgs Spielweise.

Homepage von Bernhard Langer.

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