Interview mit Katarina Witt


Katarina Witt steht noch täglich auf dem Eis und trainiert. Foto: obs/Herblife International

Riesiger Andrang herrschte bei der Autogrammstunde von Katarina Witt im Kaufhaus Joh in Gelnhausen. Dort präsentierte die Eiskunstläuferin ihre eigene Modelinie der Firma „Lerros“. Nach dem Kontakt mit den Fans stand die 38-Jährige Rede und Antwort. Charmant, offen und mit ansteckend guter Laune präsentierte sich die zweifache Olympiasiegerin und sprach über ihren Geschäftssinn, Sportförderung und Ostalgie.

Frage: Eine Firma für Eislaufkleidung, eine Werbekampagne für Kosmetik, eine eigene Schmuckkollektion und nun die Modelinie – inwieweit sind Sie inzwischen Geschäftsfrau und inwieweit noch Sportlerin?

Witt: Ich bin sicher noch zu 80 Prozent Sportlerin. Um das Geschäftliche muss ich mich zwar auch kümmern, aber da habe ich auch gute Partner, die mir einen großen Teil der Arbeit abnehmen.

Frage: Betrachten Sie die Modekollektion überhaupt als Geschäft? Oder ist ihnen die Möglichkeit wichtig, kreativ zu sein? Der künstlerische Ausdruck war Ihnen ja auch beim Eislaufen immer sehr wichtig.

Witt: Es ist ja nicht so, dass ich mich hinsetze und die Sachen entwerfe. Dafür gibt es ein Designerteam, das das auch viel besser kann. Aber ich kann schon meine Ideen einbringen und freue mich auch, wenn ich einen Trend setzen kann. Und ich kann auch Stücke rauswerfen, wenn sie mir nicht gefallen.

Frage: Was sind die nächsten größeren Projekte, die Sie geplant haben?

Witt: Im Oktober werde ich in den USA ein bisschen bei NBC arbeiten und auch in der Show von Kurt Browning auftreten. Und im Dezember werden wir zwei Eis-Revues in Deutschland machen. Am 10. eine Show in Krefeld, die auch für das Fernsehen aufgezeichnet wird, und am 12. in Riesa.

Frage: Wie bereiten Sie sich bei diesem Terminkalender noch auf das Eislaufen vor?

Witt: Das kann man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln, man muss ständig im Training sein. Auch im Winter bedeutet das: Täglich aufs Eis gehen und etwas für die Fitness machen. Zur Zeit trainiere ich drei bis vier Stunden pro Tag. Und die Stunden, die ich nicht mache, die spüre ich dann auch bei den Shows.

Frage: Sind Sie bei solch einem Trainingsprogramm froh, dass die Wettkampfzeit vorüber ist oder kommt bei Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen auch ein bisschen Wehmut auf?

Witt: Wehmut nicht, aber Erinnerungen. Natürlich waren die Winterspiele nicht so groß wie die im Sommer und im Olympischen Dorf ging es deshalb etwas familiärer zu. Ich war anderthalb Tage bei den Spielen in Athen und konnte sehr gut mit den Athleten mitfühlen – ob das nun Enttäuschungen waren oder Überraschungssieger. Ich fand es sehr spannend, so eine Veranstaltung einmal als Zuschauer zu verfolgen. Beim Weitsprung und beim 100-Meter-Finale der Männer war ich im Stadion. Und das Hammerwerfen habe ich inmitten des ungarischen Fanblocks erlebt. Da ist es natürlich doppelt empörend, wenn dann herauskommt, dass der Olympiasieger gedopt war. Das ist Betrug – und auch Betrug an den Fans.

Frage: Früher haben Sie sich intensiv für eine andere Sportförderung eingesetzt. Ist das schwächere Abschneiden der deutschen Athleten in Athen auch ein Beleg dafür, dass in diesem Punkt nicht alles ideal läuft?

Witt: Ich kenne mich mit dem aktuellen Sportfördersystem nicht mehr so genau aus. Außerdem gibt es nie eine Garantie für Erfolge, egal wie gut trainiert wird und wie gut die Rahmenbedingungen sind. Ich denke, dass jeder, der dorthin fährt, sich gründlich vorbereitet hat. Die haben sich alle geschunden für Olympia. Trotzdem muss man sich natürlich fragen, warum wir nicht mehr so erfolgreich sind, wie wir einmal waren. Wenn man Weltklasse sein will, muss man hundertprozentig alles dafür tun. Dann muss vielleicht auch die Schule hinten angestellt werden. Die Voraussetzungen, Talente zu fördern, müssen auch da sein. Deshalb denke ich, dass auch der Staat die Verpflichtung hat, Talente zu fördern. Denn welche Bedeutung der Sport für die Menschen hat, erkennt man doch, wenn man sich die Einschaltquoten von Olympia ansieht.

Frage: Einer der Autogrammjäger vorhin hatte ein T-Shirt mit dem Aufdruck „DDR“ an. Geht die Ostalgie damit für sie zu weit?

Witt: Ich fand das lustig. Ich habe auch so ein T-Shirt. Als ich vergangenes Jahr damit zu „Goodbye Lenin“ gegangen bin, haben alle gelacht. Ich finde die Ostalgie-Welle nicht schlimm. Ich habe auch die Sendung mit Oliver Geissen gemacht, weil ich das Gefühl hatte, dass Gesamtdeutschland da ein Interesse an der Geschichte der DDR entwickelt. Es war einfach schön, die alten Lieder noch einmal rauszukramen oder Ost-Süßigkeiten zu naschen. Ich habe zu dieser Zeit viel mit Freuden zusammengesessen, und oft hieß es: „Weißt Du noch?“ Und zurückerinnern heißt noch lange nicht zurückwünschen.

Homepage von Katarina Witt.

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