Interview mit Sebastian Kehl


Sebastian Kehl wurde Vize-Weltmeiste 2002. Foto: obs/Adveniat

Gerade zurück aus dem Urlaub, standen für Fußball-Nationalspieler Sebastian Kehl schon wieder Termine an. Bei einem Empfang in Fulda trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Am Rande der Veranstaltung stand der 22-Jährige Rede und Antwort.

Frage: Die Meisterschaft und das Uefa-Cup-Finale mit Dortmund, die Vizeweltmeisterschaft nach fünf Wochen in Asien, all die Ehrungen nach der Rückkehr – wie lange braucht man, um diese Eindrücke zu verarbeiten?

Kehl: Das dauert immer noch an. Natürlich ist es schwierig, alles, was da abgelaufen ist, zu realisieren. Es ist überhaupt unglaublich, was in den vergangenen zwei Jahren passiert ist. Aber ich werde mich nicht auf diesem Erfolg ausruhen, sondern weiter arbeiten.

Frage: Allerdings wird die Erwartungshaltung auch immer größer, gerade jetzt in Bezug auf die Nationalmannschaft.

Kehl: Natürlich herrscht jetzt ein unwahrscheinlicher Druck. Die Stimmung ist im Moment wieder sehr positiv, aber vielleicht schlägt das genauso schnell wieder um. Womöglich stehen schon nach dem nächsten Länderspiel gegen Bulgarien wieder die Schwächen im Vordergrund.

Frage: Wo steht denn der deutsche Fußball zur Zeit?

Kehl: Es war vor der WM sicher nicht alles so schlecht, wie es gemacht wurde, und es ist jetzt auch nicht alles so gut. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Man muss versuchen, einen gesunden Mittelweg bei der Bewertung zu finden. Aber gerade für die Öffentlichkeit gibt es eben meist nur Erfolg oder Niederlage.

Frage: Das hat man auch in der Reaktion auf die WM wieder gesehen. Wenn das Ergebnis stimmte, wurde über spielerische Mängel hinweggesehen. War es wirklich in erster Linie der Teamgeist, der den Erfolg ermöglicht hat?

Kehl: Wir hatten bei der WM natürlich den einen oder anderen überragenden Spieler, aber insgesamt waren wir ein sehr gutes Team. Ob die Stimmung allerdings besser war als bei den letzten Turnieren, kann ich nicht beurteilen, denn ich war ja zum ersten Mal für so lange Zeit bei der Nationalmannschaft. Ich habe das Klima jedenfalls als sehr angenehm empfunden. Ab und zu sind natürlich schon einmal die Fetzen geflogen, aber das gehört dazu. Wenn man so lange aufeinanderhockt, muss jeder auch mal die Gelegenheit haben, seinen Frust abzulassen.

Frage: Gab es eigentlich Möglichkeiten, sich Japan und Südkorea ein wenig anzusehen?

Kehl: Nein, wir hatten leider keinen einzigen freien Tag. Es ging immer nur vom Fußballplatz zum Hotel und wieder zurück.

Frage: Dafür gab es ja jetzt im Urlaub ein wenig Gelegenheit zum Ausspannen.

Kehl: Das hat mir wirklich gut getan. Ich war auf Sardinien, konnte dort vollkommen abschalten, mir ein paar Gedanken machen und den Fußball auch mal völlig außen vor lassen. Es war wirklich sehr schön, aber die paar Tage gingen zu schnell vorbei.

Frage: Jetzt geht es direkt in die Saisonvorbereitung. Haben Sie etwas Bammel vor dem „Schleifer“ Matthias Sammer?

Kehl: Nein. Jeder Trainer hat eigene Methoden und versucht, seine Mannschaft fit zu bekommen. Außerdem habe ich in den letzten Tagen schon wieder gearbeitet und versucht, mich im Grundlagenbereich zu stabilisieren.

Frage: Vor Ihnen und Borussia Dortmund liegt sicher auch keine einfache Saison.

Kehl: Wir sind Meister geworden und ins Finale eines europäischen Wettbewerbs eingezogen. Wir wissen, dass es schwer wird, diese Erfolge zu wiederholen. Aber wir haben auch im letzten Jahr schon gezeigt, dass wir mit dem Druck umgehen können.

Frage: Befürchten Sie dennoch manchmal, dass nach der steilen Entwicklung der vergangenen Jahre irgendwann einmal ein jäher Absturz kommen kann?

Kehl: Ich habe immer gesagt, dass auch mal eine schlechte Phase kommen kann. Es kann auch passieren, dass man in ein Loch fällt. Aber ich versuche, dieses Risiko zu minimieren.

Frage: Michael Ballack wurde nach seiner Gelben Karte gegen Südkorea als tragischer Held bezeichnet. Auch Sie haben im WM-Finale nicht mitgespielt, obwohl Sie so kurz davor standen. Wie sehr wurmt es noch, so eine Chance verpasst zu haben?

Kehl: Natürlich war ich traurig, aber mittlerweile ist das abgehakt. Wir haben das Spiel verloren, und es bringt jetzt nichts mehr, da noch nachzukarten.

Homepage von Sebastian Kehl.

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